Wirtschaft : Schlechte Bescherung für den Einzelhandel

Aber 2006 erwarten Experten steigende Umsätze

Maren Peters

Berlin - Der von Konjunkturforschern diagnostizierte Stimmungsaufschwung im Einzelhandel ist an Weihnachten noch nicht in den Geschäften angekommen. Die deutschen Verbraucher haben in der Weihnachtszeit viel weniger Geld ausgegeben als erwartet. Trotzdem halten Analysten und Konsumforscher an ihren positiven Erwartungen für 2006 fest.

Nach den am Dienstag veröffentlichten vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes blieb der Einzelhandelsumsatz im Dezember preisbereinigt um 1,6 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Im Gesamtjahr stieg der Umsatz dagegen überraschend um 0,7 Prozent.

Noch im Dezember hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo eine deutliche Stimmungsaufhellung im Einzelhandel festgestellt. Auch die Händler waren vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts noch optimistisch, „mindestens“ das Vorjahresniveau zu erreichen.

„Ein Grund für das rückläufige Weihnachtsgeschäft könnten die zusätzlichen Belastungen privater Haushalte durch gestiegene Heiz- und Stromkosten darstellen“, hieß es bei den Statistikern. Auch die Aufwendungen für die private Altersvorsorge könnten zu den Umsatzrückgängen beigetragen haben.

Der Handel selbst bezweifelte die Daten. „Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes stimmen nicht mit den Unternehmensergebnissen überein“, sagte Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer im Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Während die Statistik für 2005 insgesamt ein zu positives Bild zeichne, seien die Dezember-Zahlen zu negativ.

Der Metro-Konzern hatte allerdings erst vor zwei Wochen berichtet, dass die Inlands-Erlöse im vierten Quartal zurückgegangen sind – auch weil das Weihnachtsgeschäft „weitgehend ohne Impulse“ geblieben sei.

„Die verbesserte Stimmung schlägt sich noch nicht in einer verstärkten Kaufneigung nieder“, sagte Christian Schindler, Analyst von der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Dennoch erwarten Marktbeobachter einen Aufschwung im Handel. „Wegen der erwarteten Mehrwertsteuererhöhung rechnen wir 2006 mit starken Vorzieheffekten“, sagte Dirk Mörsdorf von der Gesellschaft für Konsumforschung. Es könne aber sein, dass die Arbeitslosenrate, die nun die fünf Millionen überschritten hat, sich negativ auswirken werde. Im Januar hat der Handel einer Ifo-Umfrage zufolge steigende Umsätze verbucht.

Der HDE will seine eigene Prognose erst veröffentlichen, wenn das Statistikamt in rund zwei Wochen seine endgültigen Zahlen vorlegt.

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