Wirtschaft : Schlechte Noten für deutsche Manager

-

Von Carsten Brönstrup

Nun haben es die deutschen Unternehmensführer schwarz auf weiß: Im internationalen Vergleich sind sie nur Mittelmaß – jedenfalls, wenn es um die Bewältigung von Fusionsprozessen geht. Bei der wichtigsten ManagementAufgabe der vergangenen zehn Jahre, der Regie der milliardenteuren Fusionswelle, haben sie schlecht abgeschnitten. Obwohl fast jeder dritte Zusammenschluss mit deutscher Beteiligung stattfand, war nur jeder zehnte wirklich ein Erfolg, ergab eine Studie der Universität Münster und der Unternehmensberatung Accenture. Die Ursachen des Scheiterns waren eine zu laxe Integration der Firmenteile, die nur halbherzige Nutzung von Einsparpotenzialen und eine zu kuschelige Personalpolitik. Mindestens sieben Milliarden Euro haben die Bosse so versenkt.

Die Manager können die schlechte Performance ihrer Konzerne deshalb nicht mehr allein mit miesen Bedingungen am Standort Deutschland erklären. Hohe Steuern, Gesetzesdschungel oder Mitbestimmung durch die Gewerkschaften zählen nicht als Ausrede. Die Vorstände müssen sich schleunigst daranmachen, ihre Betriebe straffer zu führen, Fusionsvorhaben und Zukäufe energischer und disziplinierter zu managen.

Dass Fusionen und Übernahmen derzeit nicht in Mode sind, liegt nur an der Schwäche von Konjunktur und Börsen. Der nächste Aufschwung kommt bestimmt – bis dahin sollten die Manager aus ihren Fehlern gelernt haben. Nötig sind mehr Mut zu schmerzhaften Entscheidungen und mehr Druck von den Aktionären – etwa, indem sich die Managergehälter noch stärker am Unternehmenserfolg orientieren. Denn sonst werden die Firmen von den Finanzmärkten abgestraft: mit sinkenden Aktienkursen und höheren Finanzierungskosten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben