Wirtschaft : Schlechte Noten für Jagdfeld

Die Ratingagentur Moody’s warnt vor erheblichen Risiken im Firmennetz des Adlon-Initiators.

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Berlin - Für seine stoische Gelassenheit auch noch in Stunden höchster Not ist er viel gerühmt worden: der Steuerberater und Fondsinitiator Anno August Jagdfeld, der mit Anlegergeld Bürohäuser und Einkaufszentren, die Weiße Stadt am Meer „Heiligendamm“ und das Hotel Adlon am Pariser Platz wieder aufbaute. Doch seit einem Aufstand von Adlon-Anlegern und staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihn ist der Glanz früherer Tage verblasst. So sehr, dass für Jagdfeld nicht einmal mehr Platz war in der großen Fernsehdokumentation über das geschichtsträchtige, im Krieg zerstörte Hotel, dessen Rekonstruktion er nach der Wende immerhin organisierte.

Und der Druck wächst weiter. Denn das weitverzweigte Netz von Firmen, Beteiligungen und Unternehmungen, das der Mann aus Düren mit Frau, Kindern und anderen Familienmitgliedern gesponnen hat, baut nicht zuletzt auf seinen guten Ruf und auf Kredite in Millionenhöhe. Doch just daran rüttelt nun die Ratingagentur Moody’s in einem Bericht über den Zustand des „Kreditpools“. In diesen wurden Millionensummen zum Bau von Hotel Adlon und Quartier 206 ausgelagert, die die Schweizer Bank Credit Suisse Jagdfeld ursprünglich anvertraut hatte.

Moody’s hält vor allem den Großkredit für Jagdfelds prachtvolles Einkaufszentrum in der Friedrichstraße, das „Quartier 206“, für gefährdet. Auch beim Millionenkredit für das Hotel Adlon schließt Moody’s Verluste nicht aus: Die Wahrscheinlichkeit betrage „null bis 25 Prozent“. Eine Analyse, die Jagdfeld als falsch zurückweist, weil sie auf einer „limitierten Datenbasis“ beruhe.

Besonders hart dürfte Jagdfeld treffen, dass Moody’s den Wert des architektonischen Meisterwerks des New Yorker Baumeisters I.M. Pei in der Friedrichstraße mit kümmerlichen „35 Millionen Euro“ beziffert. Jagdfeld dazu: „Der genannte Betrag spiegelt keinesfalls den Wert des Quartiers wider, er ist deutlich zu niedrig angesetzt.“ Das vernichtende Urteil begründet die Ratingagentur grob gesagt damit, dass die Mieter nicht, nicht mehr oder nicht vollständig die vereinbarten Mieten bezahlen.

Jagdfeld war immer besonders stolz auf die prachtvolle Einkaufspassage, deren Wert er noch heute auf mehr als 300 Millionen Euro taxiert. Gucci, Yves Saint Laurent und Louis Vuitton sind prominente Mieter. Nun warnt Moody’s: Diese hätten ihre auslaufenden Mietverträge nicht verlängert. Und: Weitere Firmen, die mit der Jagdfeld-Gruppe verbunden seien, hätten „in den letzten 2,5 Jahren ihre Mieten nicht mehr bezahlt“. Jagdfeld weist dies zurück. Auch der Auszug namhafter Mieter gehöre zur „natürlichen Fluktuation“. Eine „rasche Neuvermietung“ sei „sicher kein Problem“.

Jagdfelds Gläubiger teilen diese Einschätzung offensichtlich nicht: Weil sie um ihr Geld bangen, ließen sie das Quartier 206 – wie der Tagesspiegel bereits berichtet hatte – unter Zwangsverwaltung stellen. Ein Sprecher des beauftragten Rechtsanwaltes Rüdiger Wienberg bestätigte, dass er Klage gegen Firmen eingereicht habe, die mit dem Jagdfeld-Clan verbunden sind und denen Mietrückstände vorgeworfen werden. Jagdfeld räumte lediglich „rechtliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Kreditgeber und -nehmer“ ein. Er sei jedoch der Auffassung, man habe sich vertragsgerecht verhalten. „Darüber zu urteilen hat im Zweifel ein Gericht.“

Davon, dass auch der Fundus Fonds 31, der die privaten Anleger und Finanziers des Hotel Adlon vertritt, in Not geraten könnte, will Jagdfeld nichts wissen. Der Fonds „erwirtschaftet Überschüsse“, lässt er vermelden. „Diese belaufen sich auf circa 78 Millionen Euro Ende 2012.“ Und der Pachtvertrag mit dem Adlon-Betreiber Kempinski sei Ende Oktober vorzeitig um weitere 20 Jahre verlängert worden.

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