Wirtschaft : Schlechte Noten für Vermittler

Jede dritte Lebensversicherung berät mangelhaft Berlin(-olm).Erschreckend schlechte Noten stellt die Stiftung Warentest den Lebensversicherern aus.Bei der Beratung ihrer Kunden, so die Warentester, scheitern viele der Außendienstmitarbeiter auf der ganzen Linie.Ein groß angelegter Probelauf bei 43 der größten Unternehmen in Deutschland mit einem Marktanteil mit mehr als 80 Prozent führte in vielen Fällen zu Ergebnissen, die dem hohen Anspruch der Lebensversicherer nicht gerecht werden.So lautet das Qualitätsurteil für den Außendienst eines Drittels der getesteten Firmen "mangelhaft".In acht weiteren Fällen wurde die Note "zufriedenstellend" nur knapp erreicht. Zu Erläuterung der Untersuchung sagte der verantwortliche Leiter der Abteilung Finanzdienstleistungen der Stiftung Warentest, Peter Schütt, daß der Grund für nachgewiesene Fehlberatung vermutlich weniger in der mangelhaften Qualifikation der Vertreter, sondern in einem verfehlten Provisionssystem liege.Die in den Verträgen vereinbarte Leistung der Versicherung hätte bei Dreiviertel der Testkunden nicht ausgereicht, um den Lebensstandard nach dem Tod des Hauptverdieners in der Familie zu garantieren.Schütt geht davon aus, daß die Vertreter wegen der höheren Provision vor allem am Abschluß einer Kapitallebensversicherung interessiert sind.Da die Testpersonen den finanziellen Schutz der Familie im Todesfall und in einem zweiten Modell den Hinterbliebenenschutz plus Schutz bei Berufsunfähigkeit suchten, wäre eine Risikolebensversicherung geeigneter gewesen.Nur bei dieser Versicherungsform wird die eingesetzte Prämie nach Aussage der Warentester vollständig für den Todesfallschutz verwendet.Um sich gegen dauerhafte Krankheit oder Unfall im Beruf zu schützen, hätte unbedingt eine zusätzliche Berufsunfähigkeitsversicherung empfohlen werden müssen. Nach Meinung von Hubertus Primus, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest", spielen bei Lebensversicherungen die Fragen nach der Gesundheit eine große Rolle.Falsche oder unvollständige Angaben könnten hier fatale Folgen haben.Versicherer dürfen die Leistung verweigern, wenn die Angaben zur Krankheitsvorgeschichte nicht stimmen.Die Testpersonen hatten in ihren Gesprächen mit den Vertretern ohne Aufforderung Erkrankungen angegeben.Ein Viertel der Vermittler vermerkte die Krankheiten gar nicht, etwas mehr als ein Drittel nur unvollständig.Um hier Schaden zu vermeiden, schlägt Primus vor, zu den Beratungsgesprächen immer einen Zeugen mitzunehmen.Die meisten Gespräche, so Primus, litten auch darunter, daß die Vermittler nicht nach den tatsächlichen Versicherungsbedarf ihrer Kunden fragten.Themen wie Familienstand, Zahl der Kinder, das Alter des Ehemannes, des Familieneinkommen oder die Vermögenslage müßten neben den aktuellen Lebensumständen an den Anfang jeder seriösen Beratung gestellt werden.Bei der Analyse der Risikolage der Testkunden seien jedoch die meisten Vermittler glatt durchgefallen.

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