Wirtschaft : Schlechte Noten

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Europäer mögen es nicht gerne zugeben. Aber ihr Ziel, bis 2010 die dynamischste wissensbasierte Wirtschaft der Welt zu werden, heißt nichts anderes, als dass sie so werden wollen wie die USA. Sie sind es, die diese TopPosition besetzen.

Doch die neue Pisa-Studie wirft Zweifel daran auf, ob die USA in der Lage sein werden, diese Position auch in Zukunft zu behalten. Sie macht aber auch deutlich, dass es wohl kaum die Europäer sein werden, die den Amerikanern diese Position streitig machen werden.

Die Studie zeigt, dass sowohl Europa – mit Ausnahme von Finnland – als auch die USA von Ländern wie Südkorea, Hongkong und Japan deutlich deklassiert werden. Während die Elterngeneration der jetzigen Schüler von US-High-Schools noch weltweit an erster Stelle rangierte, sind die heutigen schulischen Leistungen unter den OECDDurchschnitt gefallen. In den meisten europäischen Ländern ist die Situation nicht wesentlich besser. Immerhin ist Amerikas System der höheren Bildung weltweit konkurrenzlos. Die Pisa-Forscher konnten einige Kernmerkmale erfolgreicher Bildungssysteme aufzeigen. In Ländern wie Deutschland, Frankreich und Belgien hat der sozioökonomische Hintergrund des Elternhauses mehr Einfluss auf den Schulerfolg der Kinder als in den USA. Andreas Schleicher, Pisa-Koordinator der OECD, nennt ein dezentralisiertes System, in dem Schulen eine weitgehende Autonomie bei Lehrplan- und Haushaltsentscheidungen eingeräumt wird, als Rezept für erfolgreiche Bildung. Wichtig ist auch ein offenes, flexibles Bildungssystem sowie die Professionalität der Lehrer (was keine Frage des Einkommens ist).

Das erklärte Klassenziel der EU, bis 2010 die dynamischste wissensbasierte Wirtschaft der Welt zu werden, ist angesichts der Pisa-Zwischenzeugnisse gefährdet. Schulische Reformen in Europa und auch in den USA werden zu einer Frage wirtschaftlichen Überlebens. Der Lehrplan der OECD empfiehlt Dezentralisierung, Wettbewerb und Flexibilität. Das verdient die Note Eins.

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