Schlecker-Nachfolger : Drogeriekette Dayli meldet Insolvenz an

Noch vor dem Deutschlandstart ist der Schlecker-Nachfolger Dayli pleite. Die Drogeriekette sei mit rund 50 Millionen Euro überschuldet. Der Geschäftführer Rudolf Haberleitner sieht sein Unternehmen jedoch nicht als Insolvenz-, sondern vielmehr als Sanierungsfall. Wieviele der knapp 3500 Mitarbeiter ihren Job verlieren, ist noch offen.

Schon wieder pleite: Die Drogeriekette Dayli, ehemalige Österreich-Tochter von Schlecker, ist mit rund 50 Millionen Euro überschuldet.
Schon wieder pleite: Die Drogeriekette Dayli, ehemalige Österreich-Tochter von Schlecker, ist mit rund 50 Millionen Euro...Foto: dpa

Die ehemalige Österreich-Tochter der Drogeriekette Schlecker ist schon wieder pleite. Die seit der Übernahme vor knapp einem Jahr unter dem Namen “dayli my shop“ aktive Ladenkette ist zahlungsunfähig und hat am Landesgericht Linz einen Antrag auf Sanierung eingebracht, wie das oberösterreichische Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Dayli sei mit rund 50 Millionen Euro überschuldet.

Das Unternehmen soll nun unter einem neuen Eigentümer fortgeführt werden. Der Sanierungsplan sieht die Schließung ertragsschwacher Filialen vor. Wieviele der knapp 3500 Mitarbeiter dabei ihren Job verlieren, ist noch offen. Nach Angaben der Gläubiger-Organisation Kreditschutzverband (KSV) drohe bereits gut 400 Mitarbeitern die Kündigung. Dem Sanierungsvorschlag von dayli zufolge sollen innerhalb von zwei Jahren 25 Prozent der Verbindlichkeiten bedient werden.

Das Konzept sehe auch ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell vor. Der neue Verwalter werde vor allem prüfen, ob der Betrieb in den nächsten Wochen finanziert werden könne. “Vom Ergebnis dieser Prüfung hängt das weitere Schicksal der Drogeriekette und seiner Beschäftigten ab, sowie die Quote, die die Gläubiger erwarten können“, teilte der KSV mit.

Dayli-Chef: "Ich bin nicht gescheiter"

Ex-dayli-Eigentümer und Geschäftführer Rudolf Haberleitner sieht sein Unternehmen nicht als Insolvenz-, sondern vielmehr als Sanierungsfall. “Ich bin nicht gescheitert“, sagte Haberleitner dem Österreichischen Rundfunk (ORF). “Wir mussten nur ein Sanierungsverfahren beantragen, weil wir nicht in der Lage waren, weiter die Warenfinanzierung sicherzustellen“, sagte der Haberleitner, der weiterhin Geschäftführer bleibt. “Man braucht nicht so tun, als ob wir die Firma in die Insolvenz geführt hätten, die Firma war insolvent“, sagte Haberleitner. Er fügte hinzu, er erwarte keinen großen Kahlschlag. “Es sind bereits 103 Filialen geschlossen worden. Wir haben nicht vor, weitere große Veränderungen durchzuführen“, sagte er.

Fest steht, dass die Gläubiger massiven Druck auf das Unternehmen ausgeübt haben. Nach Angaben des KSV, der eine große Lieferantengruppe vertritt, wurden seit Wochen keine Rechnungen der Lieferanten bezahlt. Die Mitarbeiter hätten kein Gehalt mehr bekommen. Hätte das dayli-Management nicht selbst Insolvenz angemeldet, wäre der KSV aktiv geworden.

“Schadensbegrenzung für die Gläubiger ist angesagt“, hieß es vom KSV. Nach Angaben des Gläubigerschutzverbandes handelt es sich um die größte Insolvenz des laufenden Jahres in Oberösterreich.

Das Konzept vom Nahversorger ging nicht auf

Haberleitner hatte vor rund einem Jahr über einen Fonds vom Insolvenzverwalter der Drogeriekette Schlecker die Filialen in Österreich, Italien, Polen, Luxemburg und Belgien mit 4600 Mitarbeitern übernommen. Die Drogeriekette hatte 883 Standorte in Österreich und 480 Filialen in den anderen Ländern. Haberleitner präsentierte sich als großer Sanierer und wollte aus der Kette einen Nahversorger aufbauen. “Ich werde etwas auf die Beine stellen, was noch nie da war“, so Haberleitner vor elf Monaten. Unter anderem wollte der Firmenchef auch 600 Filialen in Deutschland eröffnen. Das Konzept - das unter anderem die Sonntagsöffnung der Läden vorsah - konnte aber nicht wie geplant umgesetzt werden, gestand die Firma nun ein. Dayli hatte laut KSV vom Start weg Probleme mit der Finanzierung, Zweifel der Lieferanten, Kreditversicherungen und Banken an der Eigenkapitalausstattung konnten nie zerstreut werden. (Reuters)

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