Wirtschaft : Schlichter soll Tarifkompromiß finden

BERLIN (alf).Die Arbeiteber der Metallindustrie wollen in der kommenden Woche die Tarifverhandlungen fortsetzen, um doch noch einen Streik zu verhindern.Wie Werner Riek, Sprecher des Zentralverbandes Gesamtmetall gegenüber dem Tagesspiegel sagte, soll mit Hilfe eines Schlichters ein Kompromiß im Tarifbezirk Baden-Würtemberg gesucht werden.

Der Chef des Verbandes der Metallindustrie Baden-Württemberg, Klaus Fritsche, sprach sich am Donnerstag für eine Schlichtung außerhalb des üblichen Schlichtungsverfahrens aus.Unmittelbar zuvor hatte die Tarifkommission der IG Metall in Stuttgart die Urabstimmung über einen Streik beantragt.Fritsche sagte gegenüber der Deutschen Presseagentur: "Wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um einen Arbeitskampf zu vermeiden." Im normalen Schlichtungsverfahren können die Tarifpartner binnen zwei Werktagen nach dem Scheitern der Verhandlungen die Schlichtung gemeinsam anrufen; stellt sich eine Partei quer, gibt es keine Schlichtung.Der IG Metall-Vorstand will am Sonntag über den Vorschlag der Arbeitgeber entscheiden.Bei der Stuttgarter IG Metall zeigte man sich am Donnerstag nachmittag verwundert.Vom Arbeitgeberverband habe man bislang "nur eine Pressemitteilung" erhalten, aber "keine direkte Information" darüber, daß der Verband die Schlichtung aufnehmen wolle.

Mit dem jetzt vorgeschlagenen Verfahren wollen die Arbeitgeber laut Gesamtmetall-Sprecher Riek das üblicherweise formalistische und zeitaufwendige Schlichtungsverfahren beschleunigen, damit noch vor der Urabstimmung über einen Arbeitskampf eine Lösung gefunden werden kann.Die IG Metall will nach den bisherigen Plänen ab dem 22.Februar über einen Streik abstimmen lassen.Der Stuttgarter Verhandlungsführer Fritsche sagte, die Arbeitgeber hätten bereits einen Kandidaten für die Position des Schlichters im Auge.Einen Namen nannte er nicht.Jedenfalls muß ein Schlichter auch von der IG Metall akzeptiert werden.Er gehe davon aus, so Fritsche, "daß die IG Metall noch nicht alle Türen zugeworfen hat nach der Entscheidung für Urabstimmung." Fritsche betonte: "Ich bin sehr besorgt, aber ich vertrete ganz eindeutig den Willen, einen Kompromiß herbeizuführen."

Der Tarifstreit strahlt zunehmend auch auf das "Bündnis für Arbeit" aus.Nach DIHT-Präsident Hans Peter Stihl plädierte auch BDI-Chef Hans-Olaf Henkel dafür, das für 25.Februar geplante, zweite Treffen von Regierung, Gewerkschaften und Wirtschaft abzusagen, falls es zu einem Streik kommt.IG-Metall-Vize Jürgen Peters warf den Arbeitgebern daraufhin in Leipzig vor, sie wollten das Bündnis torpedieren, um eine Wiederwahl der Bundesregierung zu hintertreiben.Die Regierung habe die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zur Meßlatte ihrer Arbeit gemacht.Damit sie dieses Ziel nicht erreichen könne, wolle eine "reaktionäre Clique von Verbandsfunktionären" das Arbeitsbündnis kippen."Es gibt offensichtlich eine kleine, aber einflußreiche Gruppe von Scharfmachern, die die politische Vorteile eines Streiks für größer ansieht als die ökonomischen Nachteile", sagte Peters.

Im Laufe des Tages hatten die Tarifkommissionen in sechs Verhandlungsbezirken das Scheitern der Verhandlungen mit den Arbeitgebern festgestellt.Sie beantragten beim IG-Metall-Vorstand die Urabstimmung über einen Streik.Der IG-Metall-Forderung von 6,5 Prozent stand zuletzt ein Angebot der Arbeitgeber von 2,3 Prozent mehr Lohn und eine ertragsabhängige Einmalzahlung von 0,5 Prozent gegenüber.

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