Schlichtung gescheitert : Wieder Pilotenstreiks bei der Lufthansa möglich

Bei der Lufthansa spitzt sich der Arbeitskampf erneut zu. Weil der Konzern nicht über die Arbeitsbedingungen bei seiner Billigtochter verhandeln will, drohen die Piloten mit Streik.

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Stillstand. Bei der Lufthansa geht es im Streit mit den Piloten wieder nicht voran.
Stillstand. Bei der Lufthansa geht es im Streit mit den Piloten wieder nicht voran.Foto: dpa

Bei der Lufthansa drohen in den Weihnachtsferien weitere Pilotenstreiks. Der Lufthansa-Vorstand lehnte am Freitag eine von der Pilotenvereinigung Cockpit vorgeschlagene Gesamtschlichtung für die Übergangsversorgung und das Billigkonzept unter dem Markennamen „Wings“ ab. Am Mittwoch hatten sich beide Seiten noch zu einem Spitzengespräch getroffen.

Unter dem Namen Wings wird die Lufthansa ab 2015 auch auf der Langstrecke preisgünstige Flüge anbieten, deren Kosten bis zu 40 Prozent unter denen regulärer Lufthansa-Flüge liegen sollen. Deshalb bekommen auch die Piloten dort weniger Geld. Prinzipiell liegen dafür nach Ansicht des Vorstandes bereits 2004 und 2010 mit VC geschlossene Tarifverträge vor. Außerdem gehe es um eine unternehmerische Entscheidung, die nicht tarifvertraglich geregelt werden könne. Man wolle sich nicht von einem Schlichter vorschreiben lassen, wie das Wings-Konzept zu gestalten sei.

Die Streikkosten liegen bei rund 200 Millionen Euro

Lufthansa hält freilich das Schlichtungsangebot für die umstrittene Übergangsversorgung aufrecht. In solche Gespräche könne auch das Thema Altersversorgung aufgenommen werden, hieß es am Freitag. Daneben sei das Unternehmen offen für Verhandlungen über alle weiteren von VC zum Teil schon vor Jahren gekündigten Verträge. Dabei geht es unter anderem um die Vergütung, den Manteltarif, die Personalvertretung, um den Wechsel und Förderung zwischen einzelnen Lufthansa-Gesellschaften.

Gestreikt hatten die Piloten seit April aber offiziell allein wegen der Übergangsversorgung. Wegen des Wings-Konzeptes ist kein Streik möglich. Zehn Mal haben sie die Arbeit niedergelegt, zuletzt Anfang Dezember. Dadurch sind Tausende von Lufthansa-Flügen ausgefallen. Hunderttausende von Passagieren waren betroffen. Die entstandenen Verluste beziffert das Unternehmen auf mittlerweile rund 200 Millionen Euro.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigt sich zwar weiter gesprächsbereit. Er ist allerdings fest gewillt, den über 50 Jahre alten Tarifvertrag zur Übergangsversorgung zu reformieren. Neu eingestellte Piloten sollen sich an den Kosten beteiligen. Am Wings-Konzept für Mittel- und Langstrecken will Spohr nicht rütteln. Aus Wettbewerbsgründen sieht er dazu keine Alternative. Ab 2015 werden alle Flüge von Germanwings unter dem Dach von Eurowings organisiert, ab Ende nächsten Jahres fliegen Eurowings-Maschinen auch auf der Langstrecke nach Florida, Südafrika und in den Indischen Ozean. Spohr will dafür notfalls auch konzernfremde Piloten anheuern. Zudem bietet Lufthansa selbst Flüge zu touristischen Zielen wie Mauritius, Cancún in Mexiko und auf die Malediven an.

Weihnachten wird nicht gestreikt

Ob und wann es zu weiteren Streiks kommt, ließ die VC am Freitag offen. Ausgeschlossen hatte VC-Sprecher Jörg Handwerg zuvor ausdrücklich nur die Weihnachtstage vom 24. bis einschließlich 26. Dezember. Damit könnten die Piloten noch direkt vor Weihnachten erneut streiken. „Wir fürchten, ohne Gesamtschlichtung von einem Konflikt in den nächsten zu schlittern“, heißt es bei VC. Bei Lufthansa erwartet man gleichwohl, dass VC bis Jahresende stillhält. Wenn sich die Gemüter beruhigt hätten, könne es im neuen Jahr neue Gespräche geben. Unterdessen gibt es Stimmen, die wissen wollen, dass die Differenzen in der VC zunehmen. Angeblich denkt Ilona Ritter, die Vorsitzende Tarifpolitik der VC, über den Rückzug aus dem Lufthansa-Aufsichtsrat nach.

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