Wirtschaft : Schlimmer als Schwarzarbeiter

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Erich Klaus Schäfer hat sich als Unternehmensberater in Mannheim auf Kleinunternehmen und Existenzgründer spezialisiert. Vor allem die Anfänger werden mit Anmeldungsprozeduren belastet: Beim Finanzamt, bei den Gewerbeämtern der Kommunen, bei Kammern und für das Handelsregister sind Formulare einzureichen. Eine große Erleichterung wäre es Schäfer zufolge, wenn ein Formular nur bei einer Behörde abgegeben würde, die es dann an die anderen weitergäbe.

Sobald ein Betrieb Arbeitnehmer hat, nimmt der Aufwand wüste Formen an: Finanzamt, Krankenkasse, Arbeitsamt, Berufsgenossenschaft, Bundesforschungsanstalt – „jeder kommt mit eigenen Erhebungs oder Meldungsvordrucken“, sagt Schäfer. Stattdessen schlägt er vor, die Summe an Steuern und Abgaben komplett an ein Amt zu zahlen, von wo es weiter verteilt würde. Womöglich nach dem Vorbild der Bundesknappschaft, die bislang schon die Steuern und Abgaben bei Minijobs zentral kassiert und dann an das Finanzamt und die Sozialkassen verteilt.

Michael Dankerl hat eine Baufirma in Bayern, unweit der tschechischen Grenze. Alle zwei bis drei Wochen hat er auf seinen Baustellen Prüfer der Gewerbeaufsicht und der Bauberufsgenossenschaft. Es kommt vor, dass vormittags ein Mann der Gewerbeaufsicht und ein paar Stunden später jemand von der Genossenschaft auftaucht. „Die haben zu viel Personal und müssen sich ja irgendwie beschäftigen“, erklärt sich Dankerl den Eifer. Die Beiträge zur Berufsgenossenschaft hätten sich in den letzten Jahren verdreifacht. Auch Dankerl beklagt den Schreibaufwand für alle möglichen Stellen und Überwachungseinrichtungen. „Und auf der anderen Seite kriegen sie die Schwarzarbeit auf dem Bau nicht in den Griff.“ Vor der Konkurrenz aus der tschechischen Nachbarschaft hat er keine Angst: „Die Bürokraten sind viel schlimmer. “

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