Wirtschaft : "Schluss mit der Korruption"

Herr von Wartenberg[die deutschen Unternehmer]

Ludolf von Wartenberg, 60, ist seit 1990 Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Von 1970 bis 1976 war der gebürtige Fürstenwalder Abgeordneter der CDU im Landtag von Niedersachsen und von 1976 bis 1990 im Deutschen Bundestag. Mit Antritt seines Amtes beim BDI legte er sein Mandat nieder.

Herr von Wartenberg, die deutschen Unternehmer und Manager stehen seit dem Kölner Spendenskandal in einem schlechten Licht. Was tut Ihr Verband gegen die Korrpution?

Der Bundesverband der Deutschen Industrie ist einer der entschiedensten Verfechter von Anti-Korruptionsmaßnahmen. Wir haben schon vor sechs Jahren einen Anti-Korruptionsleitfaden herausgegeben, der weit verbreitet wurde. Wir empfehlen unseren Unternehmen konkret: Keine festen Lieferanten, Rotation von Verantwortungsträgern, striktes Vier-Augen-Prinzip ...

und trotzdem hat die RWE-Tochter Trienekens die Kölner SPD geschmiert.

Dafür, dass so etwas nicht mehr passiert, setzen wir uns aktiv ein. Wir arbeiten sehr eng mit Transparency International zusammen. Wir fordern seit Jahren eine bessere Vorbeugung und Überwachung in den Unternehmen. Und wir wollen auch als Spitzenverband deutlich machen, dass wir Korruption in den eigenen Reihen nicht dulden.

Wie?

Indem wir Funktionsträger, die sich schuldig machen, von ihren Ämtern ausschließen.

Der Babcock-Manager Sigfrid Michelfelder sitzt in Untersuchungshaft und ist noch Mitglied in Ihrem Präsidium.

Bis zu einer möglichen rechtskräftigen Verurteilung gilt auch bei uns die Unschuldsvermutung. In der Praxis ruht seine Mitgliedschaft im BDI-Präsidium.

Ist Korruption eine Erscheinung, die in der Rezession stärker wird?

Korruption hängt nicht von der Konjunktur ab, sondern von einem Umfeld, das sie fördert.

Durch die Korruptionsvorwürfe ist aus dem Blickfeld geraten, dass es der deutschen Wirtschaft immer noch nicht gut geht. Wie sieht es aus mit der Konjunkur?

Die ist am Wendepunkt. In diesem Jahr ist ein Wachstum von einem dreiviertel Prozent möglich, wenn es gut geht von einem Prozent. Doch die Erwartungen für Deutschland sind bislang nur an das Wachstum in den USA gekoppelt. Deutschlands Konjunktur ist sehr stark vom Export abhängig.

Was kann man dagegen tun?

Das Einzige, was in diesem Jahr noch Veränderungen bringen kann, auf die wir einen Einfluss haben, sind die Tarifverhandlungen. Von der Lohnrunde hängt ab, ob sich die Wachstumsansätze aus den USA nutzen lassen. Von der Regierungspolitik können wir in diesem Jahr nichts mehr erwarten.

Wie hoch ist denn der Verteilungsspielraum bei den Tarifverhandlungen?

Deutlich weniger als drei Prozent. Die Produktivität in der Gesamtwirtschaft ist nur um 1,5 bis zwei Prozent gewachsen. Aber die Signale aus der IG-Metall deuten im Augenblick nicht darauf hin, dass es zu einem Abschluss kommt, der der Wirtschaft einen Schub gibt.

Gibt es weitere Gefahren für die wirtschaftliche Erholung?

Die aktuellen Handelsstreitereien zwischen Europa und den USA. Da wir vom Ausland so stark abhängig sind, kommt es zurzeit darauf an, eine neue Welle des Protektionismus zu verhindern.

Ist die Europäische Union mit ihren Abwehrvorkehrungen gegen den Stahlprotektionismus der Amerikaner auf dem richtigen Weg?

Wir tragen die Maßnahmen der EU mit. EU-Kommissar Pascal Lamy ist ein sehr erfolgreicher Vermittler und hat bisher die Konflikte mit den Amerikanern sehr flexibel ausgeräumt. Mehr als 95 Prozent unseres Handels mit den USA sind störungsfrei. Der 30-prozentige Strafzoll der USA auf Stahl ist für uns allerdings unverständlich. Das ist die Lösung von innenpolitischen Problemen zu Lasten des Welthandels.

Und Europa heizt durch seine eigenen Schutzzölle Protektionismus nicht an?

Nein. Die Maßnahmen sind innerhalb der Welthandelsorganisation WTO erlaubt. Aber es wird im Augenblick über die Frage diskutiert, ob die EU darüber hinaus Strafzölle auf Produkte, die aus den USA nach Europa kommen, erheben soll. Das wäre aus unserer Sicht ein gefährlicher Angriff, der eine Spirale protektionistischer Maßnahmen nach sich ziehen könnte.

Wie groß ist die Gefahr dadurch für die deutsche Konjunktur?

Das Wachstum wäre weg. In einigen Branchen leben 60 bis 70 Prozent der Industrie vom Export. Die entscheidenden Wachstumsimpulse kommen aus dem Ausland. Die Zahlen aus den Unternehmen sind noch nicht positiv. Aber die Hoffnung ist da. Und die könnte zerstört werden.

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