Wirtschaft : Schluss mit Grundig

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Von Corinna Visser

Grundig steht vor dem Aus – wieder einmal. Für die Mitarbeiter in Nürnberg ist die Endzeitstimmung im Unternehmen mittlerweile zum traurigen Dauerzustand geworden. Immer wieder jedoch tauchte in den vergangenen 20 Jahren ein Retter in letzter Minute auf: 1984 war es die niederländische Philips, 2000 der Antennenhersteller Anton Kathrein. Doch den Niedergang des Traditionsunternehmens konnten sie nicht aufhalten. Und jetzt scheint der Gang zum Insolvenzrichter unabwendbar geworden zu sein. Kein Retter ist mehr in Sicht.

Der türkische Fernsehgerätehersteller Beko hat sein Interesse verloren ebenso wie vor einigen Wochen der taiwanesische SampoKonzern. Beiden Investoren war offenbar der Preis für das, was von Grundig noch übrig geblieben ist, zu hoch.

Die Zeiten, in denen Grundig weltweit mehr als 40000 Menschen beschäftigte, sind lange vorbei. Fernsehgeräte werden in Nürnberg auch nicht mehr produziert. Investoren wie Beko oder Sampo sind vor allem an der Marke Grundig, an der Entwicklung in Nürnberg und am Vertrieb interessiert. Auch wenn der Name Grundig für sie offenbar immer noch einen guten Klang hat, allzu viel werden Investoren nicht bereit sein, dafür zu bezahlen. Schließlich können sie damit kalkulieren, dass die Marke vielleicht bald billiger zu haben ist, wenn Grundig erst einmal in die Insolvenz gegangen ist.

Vielleicht ist das ohnehin eine letzte Chance für das Unternehmen, sich auf eine neue Basis zu stellen. Grundig muss sich auf die Bereiche konzentrieren, in denen rentabel gearbeitet wird. Das bedeutet den Abschied von vielen Traditionen. Sonst ist mit dem Namen Grundig bald überhaupt kein Geld mehr zu verdienen.

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