Schluss mit Rosinenpickerei : Arbeitsvermittler sollen sich um Problemgruppen kümmern

Die Arbeitsagenturen kümmern sich zu wenig um die schwer Vermittelbaren, sagt der Rechnungshof. Die BA führt das auf einen Fehler im System zurück - und will den nun beheben.

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Die Arbeitsagenturen haben sich zum Teil bewusst auf die Vermittlung der vermeintlich leichten Fälle spezialisiert.
Die Arbeitsagenturen haben sich zum Teil bewusst auf die Vermittlung der vermeintlich leichten Fälle spezialisiert.Foto: dpa

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will Arbeitsvermittler künftig stärker belohnen, wenn sie Arbeitslose auch in längerfristige Jobs vermitteln und sich intensiver um Jugendliche ohne Schulabschluss kümmern. Das kündigte der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Peter Clever, an. „Wir sorgen uns auch um diejenigen, die die größten Nöte am Arbeitsmarkt haben“, sagte der Arbeitgebervertreter. Dazu sollen ab 2014 drei neue Qualitätskriterien eingeführt werden.

Der Bundesrechnungshof hatte in einem vertraulichen Prüfbericht das Steuerungssystem der BA kritisiert. Im Kern werfen die Prüfer den Arbeitsagenturen vor, dass sie sich am wenigsten um die schwer vermittelbaren Arbeitslosen kümmern, die am meisten Unterstützung benötigen. Das Zielsystem der Bundesagentur fördere „die Vernachlässigung von Arbeitslosen mit Vermittlungshemmnissen“, heißt es in der 54-seitigen Expertise, die am Mittwoch auch im Sozialausschuss des Bundestags diskutiert wurde.

In der Bundesagentur gibt es jährliche Zielvorgaben für die Mitarbeiter. Gut schneiden die Agenturen ab, die besonders viele Arbeitslose vermitteln. Wenn aber jede Integration gleich gewertet werde, bemängelt der Rechnungshof, werde eine Auslese begünstigt, bei der sich die Vermittler nur um die Besten kümmern. Es sei aber „nicht sachgerecht“, dass die Bundesagentur sich überwiegend für die „guten Risiken“ einsetze.

Arbeitgebervertreter Clever sagte, der Verwaltungsrat habe sich schon seit längerem mit der Frage beschäftigt, das Zielsystem stärker auf die Qualität der Vermittlung auszurichten. Punkte soll es künftig dafür geben, wenn Arbeitslose für mehr als sechs Monate in einem Job verbleiben. Damit soll verhindert werden, dass in größerem Umfang in Zeitarbeit vermittelt wird. Belohnt werden soll auch, wenn Stellen bei kleineren Betrieben akquiriert werden. Außerdem soll es einen stärkeren Anreiz geben, sich um Jugendliche ohne Schulabschluss zu kümmern. Clever verwies zudem auf mehrere Sonderprogramme der BA, die vor allem für schwer vermittelbare Arbeitslose ausgelegt sind.

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