Schlussverkauf : Schnäppchen gegen die Krise

Der Schlussverkauf beginnt, doch viele Läden haben die Rabatte bereits vorgezogen, um den schleppenden Absatz zu steigern.

David C. Lerch

Düsseldorf Am heutigen Montag fällt der offizielle Startschuss zum diesjährigen Sommerschlussverkauf. Ein „Preisfeuerwerk“ mit Rabatten bis zu 70 Prozent verspricht der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Dabei hängen die roten Plakate mit den großen Prozentzeichen besonders in großen Städten längst in den Schaufenstern. In der Krise setzen die Händler früher als sonst auf Lockangebote.

Die Zeiten, in denen Deutschlands Einzelhändler gesetzlich vorgeschrieben nur in den letzten Januar- und Juliwochen ihre Saisonware reduzieren durften, sind lange vorbei. Seit 2004 können die Geschäfte selbst über den Sonderverkauf bestimmen, doch aufgeben will die Branche die beliebten Höhepunkte im Sommer und Winter aus Werbegründen nicht. Die Kaufanreize werden heute flexibler gesetzt, um die Konkurrenz zu düpieren oder um in konjunkturell schwierigen Zeiten die Kunden früher mit tiefen Preisen in die Läden zu locken.

So rollte in diesem Sommer die Rabattwelle vielerorts schon im Frühjahr an, nachdem die Umsätze teilweise schwach ausgefallen waren. „Es gab eine gewisse Unruhe an der Preisfront“, sagt Jürgen Dax vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels. Auch die großen Handelshäuser preschten mit Angeboten vor. Die insolventen Karstadt-Filialen warben bereits Anfang Juni mit Nachlässen um 50 Prozent. Seit vergangener Woche sind es noch einmal 20 Prozent mehr. Auch Konkurrent Kaufhof wirbt mit Reduzierungen um bis zu 70 Prozent.

Doch flächendeckend geht die Schnäppchenjagd dem HDE zufolge erst jetzt richtig los. „Die punktuellen Reduzierungen vor dem Schlussverkauf waren nur ein Vorspiel“, sagt Ulrike Hörchens vom HDE. Rund zwei Drittel der Geschäfte würden jetzt ihre Preise senken. Rabatte um bis zu 70 Prozent sollen die Kunden zum Kauf animieren. In Prospekten wird für „frische“ oder „extrascharfe“ Schnäppchen geworben, ein Geschäft verkündet: „Bei uns rocken die Preise.“ Durch die saisonabhängige Ware setze naturgemäß vor allem der Modehandel auf den Schlussverkauf, sagt Hörchens, aber auch Elektronikmärkte, Möbelgeschäfte und Baumärkte würden bis zum 8. August große Rabattaktionen bieten.

Mit dem Schlussverkauf versucht der Handel der Konjunkturflaute zu trotzen. Im ersten Halbjahr sanken die Umsätze im Einzelhandel laut HDE voraussichtlich um zwei Prozent. Für das Gesamtjahr wird mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet.
Die Sonderangebote der Einzelhändler verstärken den Trend zu sinkenden Preisen, den Statistiker seit einigen Monaten beobachten. So lag der Verbraucherpreisindex für Berlin, den das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erstellt, im Mai und Juni unter dem Niveau des Vorjahres. 2008 waren die Preise in Berlin noch um 2,5 Prozent gestiegen.

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