Schmähpreis : Chinesisches Sexspielzeug bekommt Plagiarius

"Patchy Paul" ist ein Vibrator - und ein Klassiker. Chinesische Produktpiraten haben ihn abgekupfert - und wurden nun dafür ausgezeichnet.

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Original (l.) und Fälschung - der "Patchy Paul".
Original (l.) und Fälschung - der "Patchy Paul".Foto: dpa

Auch vor Sexspielzeug machen die Fälscher nicht halt. „Patchy Paul“ ist ein Vibrator, den die Fun Factory aus Bremen herstellt und der mittlerweile als Klassiker gilt. Das dachten sich auch die Manager von Love Toys Industrial im chinesischen Guangdong, kupferten „Patchy Paul“ ab und brachten ihn für einen Bruchteil des Preises in den Handel. Die dreiste Kopie wurde gestern am Rande der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt mit dem „Plagiarius 2011“ ausgezeichnet – so wie knapp ein Dutzend anderer Plagiate.

1977 hat der Ulmer Designprofessor Rido Busse den Negativpreis ins Leben gerufen, um plumpen Ideenklau, Diebstahl geistigen Eigentums und skrupellose Machenschaften anzuprangern. Das zeigt allerdings nur begrenzt Wirkung. „In Zeiten von Internet und Globalisierung hat sich das Problem der Produkt- und Markenpiraterie explosionsartig ausgeweitet“, sagt Busse. Den volkswirtschaftlichen Schaden allein für Deutschland taxieren Experten auf 50 Milliarden Euro im Jahr. 78 Prozent aller deutschen Unternehmen seien davon betroffen.

Eine Werkbank, ein Küchenschneidegerät, eine Hunderollleine, auch ein Einsteckschloss und ein Schaltschrank wurden am Freitag mit dem Negativpreis gebrandmarkt. 80 Prozent der Plagiate kommen aus Asien. Thailand hat mit einem Anteil von 56 Prozent mittlerweile die zweifelhafte Führungsrolle von China übernommen, wie Busse sagt.

Er appelliert auch an die Verbraucher. Sie trügen eine Mitverantwortung für die Geschäfte der Fälscher, die Schätzungen zufolge jedes Jahr 600 Milliarden Dollar umsetzen.

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