Wirtschaft : Schmidt-Bank baut Konzern um

cbu/po/pot/rob

Die Schmidt-Bank aus dem nordbayerischen Hof geht in die Offensive. Ungeachtet der jüngsten Spekulationen über wirtschaftliche Probleme plant der geschäftsführende Gesellschafter des Instituts, Karl Gerhard Schmidt, in den kommenden Wochen das Vermögensverwaltungsgeschäft der Consors Capital Bank AG zu erwerben. Der Deal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Mit diesem Schritt will sich die Privatbank im hart umkämpften Wachstumsmarkt Asset Management breiter aufstellen, ihren Kunden mehr Produkte anbieten können und Synergien erzielen. "Wir dementierten die Pläne nicht", antwortete die Schmidt-Bank auf Anfrage. Die Bank hatte Ende 2000 eine Bilanzsumme von 13,1 Milliarden Mark, Kundeneinlagen von 7,2 Milliarden Mark und ein verwaltetes Vermögen von mehr als acht Milliarden Mark.

Die Frankfurter Consors Capital gehört mehrheitlich der Schmidt-Bank-Tochter Consors Discount-Broker AG in Nürnberg. Das verwaltete Vermögen der Investmentbank beträgt nach Informationen des Handelsblatts eine Milliarde Euro. Der Bereich beschäftigt 15 Mitarbeiter und wird vom Vorstand Klaus-Gerd Kleversaat geführt. Der Preis für das Geschäftsfeld steht noch nicht fest. Er soll von einem neutralen Gutachter ermittelt werden.

Für Consors Capital kommt der Schritt gerade recht. Die erst im vergangenen Jahr gegründete Investmentbank hat mit der schlechten Lage am Kapitalmarkt zu kämpfen. Sie ist auf die Begleitung von Unternehmen an die Börse spezialisiert. Die wegen des fehlenden Geschäfts auflaufenden Verluste schmälern das Eigenkapital nach Aussagen von Bankenkreisen um rund zehn Millionen Euro. Es sinkt deshalb in diesem Jahr auf etwa 30 Millionen Euro. Der außerordentliche Erlös durch den Verkauf der Vermögensverwaltung an die Schmidt-Bank soll zur Stärkung des Eigenkapitals genutzt werden. Für 2002 sieht Consors Capital die "realistische Chance" für eine schwarze Null.

Der Ruf der Schmidt-Bank hatte zuletzt stark gelitten, nachdem Gerüchte über einen Wertberichtigungsbedarf in dreistelliger Millionenhöhe aufgekommen waren. Karl Gerhard Schmidt hatte die Spekulationen zwar dementiert und betont: "Wir sind überhaupt nicht gefährdet." Allerdings räumte er ein, dass die Ertragslage derzeit "gedämpft" sei. Geschadet haben dem Institut zudem geheime Verkaufsverhandlungen mit der Hypo-Vereinsbank und der Commerzbank über den Online-Broker Consors, die publik wurden.

Consors leidet darüber hinaus unter der Zurückhaltung der Anleger. Der Provisionsüberschuss als wichtigste Einnahmequelle ist auch im dritten Quartal in Folge rückläufig und beträgt für Juni bis September noch 25,4 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss verharrte bei rund 9,8 Millionen Euro. Der Verlust nach Steuern erhöhte sich auf 25,2 Millionen Euro und lag damit leicht über den Erwartungen der Analysten. Für das Gesamtjahr rechnet Consors-Finanzvorstand Uwe Schroeder-Wildberg mit einem Gesamtverlust von knapp 80 (Vorjahr: Jahresüberschuss 16,9) Millionen Euro.

Trotz der schlechten Vorgabe zeigte Schroeder-Wildberg für das kommende Jahr zuversichtlich. Bereits im Oktober und November 2001 habe das Handelsvolumen bei Wertpapieren deutlich angezogen. Dies lasse auch für die kommenden Monate hoffen.

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