Wirtschaft : Schmidt-Bank sucht Käufer für Consors

Die angeschlagene Schmidt-Bank sucht einen Käufer für den Discount-Broker Consors. Die neue Führung der Hofer Bank will ihre 65-prozentige Beteiligung an dem Nürnberger Unternehmen so rasch wie möglich abstoßen. Mit dem Deal sei das Frankfurter Bankhaus Metzler beauftragt, sagte der neue Schmidt-Bank-Chef Paul Wieandt am Montag in Nürnberg. Der Verkaufsprozess werde sofort eingeleitet, für die Abgabe von Angeboten gebe es klare Zeitvorgaben. Gesprochen werden soll sowohl mit inländischen als auch internationalen Interessenten. "Eine Zerschlagung von Consors wird nicht stattfinden", sagte der von einer Auffanggesellschaft zur Rettung der Schmidt-Bank eingesetzte Manager. Wieandt wies zugleich Berichte zurück, wonach die Schmidt-Bank selbst zerschlagen werden solle. Das Geldinstitut sei "eine weiter tätige Bank". Zugleich machte Wieandt deutlich, dass der Einlagensicherungsfonds der deutsche Banken "nicht über Jahre hinweg verlustreiche Strukturen tragen" werde. Die Aktie von Consors legte zuletzt um mehr als fünf Prozent zu.

"Der Verkaufsprozess wird neu gestartet - durch die Schmidt-Bank und nicht durch Consors", sagte Wieandt im Hinblick auf frühere Verkaufsgespräche. Dass der Verkauf von Consors bislang nicht zu Stande kam, "lag an der Irrationalität, mit der der Verkaufsprozess auf der Verkäuferseite bisher geführt wurde". Der frühere Schmidt-Bank-Chef Karl-Gerhard Schmidt und sein Sohn, der Consors-Vorstandschef Karl Matthäus Schmidt sollen bereits vor Bekanntwerden der finanziellen Schieflage der Schmidt-Bank mit mehreren Adressen über einen Verkauf von Consors verhandelt haben. Die Gespräche waren nach Informationen aus Bankenkreisen aber an den zu hohen Preisforderungen der Familie gescheitert.

An der Auffanggesellschaft für die Schmidt-Bank sind die Bayrische Landesbank und die vier deutschen Großbanken beteiligt. Während die Bayern LB 21 Prozent des Kapitals hält, liegen bei der Commerzbank, der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Hypo-Vereinsbank jeweils 19,75 Prozent der Anteile. Wieandt kündigte an, Risikopositionen bei der in die Schieflage geratenen Bank zu identifizieren und danach zu analysieren, "welche Strukturen lebensfähig sind". Das Kreditportfolio soll bis Mitte 2002 analysiert sein. Das Kreditvolumen liege bei acht Milliarden Mark. Zum Wertberichtigungsbedarf machte Wienadt keine Angeben. Die Situation sei "noch nicht überschaubar".

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