Schmiergeld-Affäre : Siemens blockte Befragung von Aufsichtsrat ab

Siemens hat Anfang 2006 offenbar das Ansinnen des Landgerichtes Liechtenstein abgelehnt, ein Mitglied des Aufsichtsrates als Zeugen in einem Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche und Bestechung zu vernehmen.

München - Die Behörden in Liechtenstein, die bereits seit zwei Jahren wegen schwarzer Kassen und mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen bei Siemens ermitteln, wollten nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" die Konzernspitze frühzeitig mit ihren Erkenntnissen konfrontieren und ein Mitglied des Aufsichtsrates als Zeugen vernehmen. Das sei aber, wie mehrere Briefwechsel laut "Süddeutsche Zeitung" dokumentieren, von dem Unternehmen abgeblockt worden. Entsprechende Bitten des Fürstlichen Landgerichts in der Landeshauptstadt Vaduz vom 25. November 2005 und 4. Januar 2006 lehnte der Anwalt von Siemens in Liechtenstein dem Bericht zufolge in Abstimmung mit der Konzernzentrale in Antwortschreiben am 5. Januar 2006 und später noch einmal am 11. April 2006 ab.

Im Aufsichtsrat löste diese Nachricht der "SZ" zufolge am Mittwoch Erstaunen aus. Die Bitte aus Liechtenstein sei ihm nicht bekannt, sagte ein Mitglied des Kontrollgremiums. Überhaupt habe man im Aufsichtsrat nichts von den Ermittlungen in Liechtenstein gewusst. Aus Briefwechseln zu dem Verfahren geht der Zeitung zufolge allerdings hervor, dass die Siemens AG schon seit zwei Jahren über offenkundige Schwarzgeldkonten im Bilde war, auf die Staatsanwälte in Liechtenstein bei ihren Nachforschungen gestoßen waren. Der Konzern soll sogar mehrere Millionen Euro zurückgebucht haben, die dort gefunden worden waren. Die Siemens AG hätte seit 2004 frühzeitig den Skandal intern aufklären und gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft in Deutschland einschalten können, was aber nicht geschah, schreibt die Zeitung weiter. (tso/AFP)

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