Wirtschaft : Schmiergeldaffäre belastet VW

Betriebsratschef Volkert tritt überraschend zurück/Konzern zeigt früheren Skoda-Manager und weiteren Mitarbeiter an

Alfons Frese

Berlin - Die Schmiergeldaffäre bei VW weitet sich aus. Am Donnerstag erklärte der Chef des Gesamtbetriebsrats des Autokonzerns, Klaus Volkert, überraschend seinen Rücktritt. „Spiegel-Online“ meldete, Volkert „soll in der Bestechungsaffäre um den Skoda-Personalvorstand Helmut Schuster verwickelt sein“. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig sagte, VW habe gegen zwei Beschäftigte Anzeige erstattet, darunter sei aber nicht Volkert. VW-Chef Bernd Pischetsrieder erklärte: „Volkswagen arbeitet eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Dabei wird allen vorliegenden Hinweisen nachgegangen und für vollständige Aufklärung gesorgt.“

In einer schriftlichen Stellungnahme des Gesamtbetriebsrats wird Volkert mit den Worten zitiert, „ich habe mich keiner kriminellen Handlung schuldig gemacht“. Im nächsten Satz heißt es dann, „er wird sich juristischen Beistand nehmen. Solange die Schuld nicht bewiesen ist, gilt für ihn die Unschuldsvermutung.“ Zum Rücktritt seines Vorsitzenden teilt der Betriebsrat mit, dieser sei seit längerer Zeit geplant gewesen, nun aber vorgezogen worden, wegen „der zu erwartenden öffentlichen Diskussion um scheinbare Unregelmäßigkeiten mit seiner Person, damit die IG Metall und der Betriebsrat bei Volkswagen nicht dadurch belastet werden“. Volkert habe sich auf einer Betriebsversammlung am Donnerstag von der Belegschaft verabschiedet. Voraussichtlich wird Volkerts Stellvertreter Bernd Osterloh demnächst zum Nachfolger gewählt.

Im Kern der Schmiergeldaffäre steht bislang der Ex-Personalchef der VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster. Ihm wird Untreue und Betrug vorgeworfen. Nach einem Bericht des Magazins „Focus“ soll Schuster für die Autoproduktion in Indien Schmiergeld kassiert haben. Zudem habe er über Strohmänner und Tarnfirmen Verträge als VW-Importeur für Indien und Angola abgeschlossen. Schuster arbeitete seit 1991 bei VW. Von 1993 bis 2000 nahm er im Zentralen Personalwesen des Konzerns, für das im Vorstand Peter Hartz zuständig ist, leitende Funktionen wahr. Seit 2001 bis zu seinem Rausschmiss vor zwei Wochen war Schuster Skoda-Vorstandsmitglied.

In Konzernkreisen hieß es, womöglich werde Schuster weitere VW-Mitarbeiter in den Strudel der Affäre ziehen. Umfang und Komplexität der Tatbestände, die Schuster vorgeworfen werden, deuteten jedenfalls auf die Beteiligung weiterer Personen hin. „Vielleicht plaudert Schuster jetzt über den Wolfsburger Filz“, sagte ein Konzernmitarbeiter, der anonym bleiben möchte. „Focus“ hatte berichtet, ein VW-Zulieferer habe die Konzernzentrale darüber unterrichtet, dass Schuster für die Produktion in Indien Schmiergeld verlangt habe. Nur gegen ein Handgeld hätte es einen Lieferauftrag gegeben. Fast zeitgleich ist offenbar ein Hinweis der Commerzbank in Wolfsburg eingegangen. Ein Düsseldorfer Mitarbeiter der Bank sei aufgefallen, indem er Schuster geholfen habe, Tarnfirmen im Ausland zu gründen.

Mit Volkert verlässt einer der mächtigsten Betriebsräte Deutschlands die Bühne. Der 62-Jährige ist Chef des Gesamtbetriebsrats und Welt-Konzernbetriebsrats gewesen und gehört dem Aufsichtsrat der VW AG an. „Spiegel-Online“ schreibt, „die interne Revision von VW prüft derzeit Vorwürfe, nach denen Betriebsrat Volkert mit Schuster an einem Unternehmen beteiligt sein soll, dass sich um einen Auftrag von Skoda in Prag beworben hat“.

An der Börse geriet die VW-Aktie unter Druck. Sie verlor 1,2 Prozent auf 37,82 Euro und war schwächster Wert im Dax.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben