Schmiergeldaffäre : Kleinfeld für Verschiebung seiner Entlastung

Im Streit um die Konsequenzen aus der Siemens-Schmiergeldaffäre hat sich Ex-Konzernchef Klaus Kleinfeld für einen Aufschub der Abstimmung über seine eigene Entlastung auf der Hauptversammlung ausgesprochen.

070818kleinfeld
Klaus Kleinfeld -Foto: dpa

"Ich bin absolut damit einverstanden, dass der Vorstand und der Aufsichtsrat so lange nicht entlastet werden, bis alle Sachverhalte aufgeklärt sind", sagte Kleinfeld der "Süddeutschen Zeitung". Im Auflösungsvertrag sei ihm zwar zugesichert worden, dass der Aufsichtsrat seine Entlastung beantragen werde. Er bestehe darauf aber nicht, solange nicht alle Fragen im Korruptionsskandal aufgeklärt seien.

Angesichts des Schmiergeldaffäre hatten Aktionärsschützer und Interessenvertretungen angekündigt, großen Teilen von Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung verweigern zu wollen. Kleinfeld betonte nun, die Entlastung der Führung habe ohnehin eher symbolische Bedeutung. Schadenersatzansprüche seien bei neuen Erkenntnissen in jedem Fall möglich. Dennoch halte er die Debatte um eine vorläufige Nicht-Entlastung für eine gute Sache. "Worum es dabei in Wirklichkeit geht, ist Transparenz im Interesse der Aktionäre. Es gibt offene Fragen, und die müssen geklärt werden." Kleinfeld hatte im vergangenen Jahr im Zuge der Affäre seinen Hut genommen. Er ist inzwischen Präsident und Chief Operating Officer (COO) des Aluminium-Konzerns Alcoa in New York.

Löscher: Hauptversammlung wird turbulent

Kleinfeld betonte, er habe sich bei Siemens um eine "sachgerechte und vollständige Aufklärung" bemüht. "Siemens hat die Chance, aus dem allen als geklärtes Unternehmen herauszukommen", sagte Kleinfeld. Da er im abgelaufenen Geschäftsjahr ging, steht auch seine Entlastung auf der Tagesordnung der Hauptversammlung am 24. Januar. Kleinfeld hatte gehen müssen, obwohl sich keine Hinweise auf eine Verwicklung in die Affäre ergeben hatten.

Sein Nachfolger Löscher stellt sich auf eine turbulente Veranstaltung ein. "Wir haben Signale, dass es lebhaft zugehen wird", sagte Löscher den "Nürnberger Nachrichten" (Samstag). Er sehe dem Aktionärstreffen aber zuversichtlich entgegen. "Ich gehe mit Freude in den Dialog mit unseren Eigentümern." Löscher bekräftigte, dass der Skandal den Konzern noch lange beschäftigen wird. "Wir werden noch viele Jahre mit den Nachwirkungen der Affäre zu tun haben - damit meine ich nicht nur finanzielle Belastungen, sondern auch den Schaden für die Reputation." Es schmerze ihn, dass weit mehr als 400.000 Siemensianer "am Pranger stehen, obwohl sich unter ihnen nur wenige etwas zu Schulden kommen ließen". Die Affäre werde in jedem Fall umfassend aufgearbeitet. (imo/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar