Schmiergeldaffäre : Samsung-Chef Lee tritt zurück

Der mächtigste Geschäftsmann Südkoreas Lee Kun Hee tritt zurück. Der Chef des Samsung-Konzerns ist wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Ihm drohen mehrere Jahre Haft.

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Lee Kun Hee: Angeklagter Chef der Samsung-Gruppe tritt zurück. -Foto: AFP

SeoulEigentlich sollten auf der Pressekonferenz die Reformmaßnahmen des größten südkoreanischen Konzerns Samsung bekannt gegeben werden. Die große Überraschung: Der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Vorsitzende, Lee Kun Hee, erklärte den Rücktritt von seinem Posten. Er entschuldigte sich für den Ärger, den die Ermittlungen gegen den Konzern verursacht hätten, sagte der 66-jährige Unternehmenschef am Dienstag in Seoul vor laufender Kamera. Er wolle dafür die "legale und moralische Verantwortung übernehmen".

Hunderte Konten mit Milliarden

Lee muss sich wegen Steuerhinterziehung und Untreue vor Gericht verantworten. Nach rund dreimonatigen Untersuchungen zu möglichen Schwarzgeldkonten in Höhe von 197 Millionen Dollar hatten Sonderermittler in der vergangenen Woche Anklage gegen Lee und neun weitere ranghohe Samsung-Manager erhoben. Lee soll auf Hunderten von verdeckten Konten über Summen in Milliardenhöhe verfügt und darüber Aktiengeschäfte getätigt haben. Daraus erzielte Gewinne wurden demnach nicht versteuert. Lee drohen bei einer Verurteilung fünf Jahre Haft und eine hohe Geldstrafe.

Dagegen wurde der Hauptvorwurf gegen Samsung, aus schwarzen Kassen regelmäßig Staatsbeamte bestochen zu haben, aus Mangel an Beweisen fallen gelassen.

Machenschaften großer Familien soll der Garaus gemacht werden

Als erste Konsequenz aus der Affäre kündigte Samsung am Montag die Auflösung der mächtigen Abteilung für Strategische Planung an. Sie soll dem Samsung-Chef dabei geholfen haben, heimlich seinen Sohn Jae Yong zu seinem Nachfolger aufgebaut haben. Laut Samsung verlor Jae Yong seinen Posten bei Samsung Electronics, um künftig "in einem schwierigen Umfeld" für die Auslandsoperationen der Gruppe zu arbeiten.

Die Ermittlungen galten allgemein als Test für die Entschlossenheit der südkoreanischen Behörden, die nicht ganz sauberen Geschäftspraktiken der großen Konzerne zu bekämpfen, an deren Spitze eine Handvoll großer Familien stehen. Zwar trugen diese nach dem Koreakrieg 1950 bis 1953 zum Wiederaufbau der Wirtschaft des Landes bei, gelten aber auch als mitverantwortlich für die Finanzkrise Ende der 1990er Jahre. Bisher hatten die Richter in ähnlich gelagerten Fällen im Interesse der südkoreanischen Wirtschaft noch stets Milde gezeigt. (sgo/dpa/AFP)

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