Schmiergeldaffäre : Siemens fordert Schadenersatz von Topmanagern

Ein ehemaliger Siemens-Topmanager ist inzwischen von einem Gericht wegen des Schmiergeldskandals verurteilt. Nun zieht der Konzern Konsequenzen - und nimmt unter anderem Ex-Chef Kleinfeld und den ehemaligen Chefkontrolleur von Pierer in die Pflicht.

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Auf Heinrich von Pierer (l.) und Klaus Kleinfeld kommt Ärger zu. -Fotos: ddp/dpa

MünchenDer Technologiekonzern Siemens verlangt wegen des milliardenschweren Schmiergeldskandals Schadenersatz von ehemaligen Zentralvorständen. Einen entsprechenden Beschluss habe der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Dienstag gefasst, teilte Siemens in München mit.

Die Forderungen richten sich gegen die früheren Siemens-Chefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld sowie gegen acht weitere frühere Mitglieder des obersten Führungsgremiums des Konzerns. Das Unternehmen wirft ihnen eine Verletzung ihrer Organisations- und Aufsichtspflichten im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen in den Jahren 2003 bis 2006 vor, aus denen sich finanzielle Belastungen für Siemens ergeben hätten. Hinzu kommen Schadenersatzforderungen gegen die beiden ehemaligen Zentralvorstände Johannes Feldmayer und Günter Wilhelm im Zusammenhang mit der Affäre um die Arbeitnehmerorganisation AUB.

Pierer will sich wehren

Die ehemaligen Vorstandsmitglieder sollen Gelegenheit erhalten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, bevor Schadensersatzklagen erhoben werden. Winfried Seibert, der Anwalt von Heinrich von Pierer, sagte der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires auf Anfrage: “Herr von Pierer nimmt die Entscheidung des Siemens-Aufsichtrats mit großer Betroffenheit zur Kenntnis und wird sich zur Wehr setzen“. Ein Sprecher von Klaus Kleinfeld war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Insgesamt geht es im bisher größten deutschen Schmiergeldskandal um dubiose Zahlungen von 1,3 Milliarden Euro. Gegen Pierer und weitere Mitglieder der früheren Führungsspitze ermittelt auch die Staatsanwaltschaft München wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht. Die Schadenersatzforderungen gegen die früheren Top-Manager gelten vom Ausmaß her als einmalig in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. (sf/dpa/ddp)

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