Schmiergeldaffäre : Siemens holt Vorstand gegen Korruption

Im Kampf gegen die Korruption versucht Siemens sich jetzt mit einem neuen Vorstandsressort aus dem Sumpf zu ziehen. Der Amerikaner Solmssen kommt wie Konzernchef Löscher von GE und wird auch Chefjustiziar.

Moritz Döbler

Berlin - Der Siemens-Konzern richtet ein eigenes Vorstandsressort für die Korruptionsbekämpfung ein und hat dafür den US-Manager Peter Solmssen berufen. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme nannte den 52-Jährigen am Mittwoch eine „international hoch qualifizierte und anerkannte Persönlichkeit“. Solmssen ist bereits in der Münchner Zentrale tätig, startet aber offiziell erst am 1. Oktober. Er kommt aus ähnlicher Position vom Konkurrenten GE Healthcare. Dort war auch der neue Vorstandschef des Münchner Konzerns, der Österreicher Peter Löscher, vor seinem Wechsel tätig.

Der neue Chefjustiziar ist Jurist und hat in Harvard und Oxford studiert. Er engagiert sich in der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York und spricht gut Deutsch. Sein Vater Arthur Solmssen ist ein Jurist und Romanautor, der seine frühe Kindheit in Berlin verbracht hat. „Berliner Reigen“, sein bekanntestes Werk, schildert die Erfahrungen eines jungen Amerikaners in der Weimarer Republik.

Mit der Berufung von Peter Solmssen wird der Siemens-Vorstand zunächst vergrößert, obwohl er im Laufe der nächsten Monate schrumpfen soll. Derzeit hat das Gremium formell elf Mitglieder – Johannes Feldmayer ist aber freigestellt, weil gegen ihn im Zusammenhang mit Zahlungen an die umstrittene Arbeitnehmer-Vertretung AUB ermittelt wird. In München ist ein weiteres großes Korruptionsverfahren anhängig, bei dem vor Jahresende eine Anklage erwartet wird. Mit der Schaffung des neuen Vorstandspostens baut der Konzern auch seine Anti- Korruptions-Einheit erneut um, die künftig dem Amerikaner untersteht: Als deren neuer Leiter wurde Andreas Pohlmann berufen, der zuletzt Deutschland- Chef des US-Chemiekonzerns Celanese war. Der 49-Jährige folgt damit auf den ehemaligen Stuttgarter Oberstaatsanwalt Daniel Noa, von dem sich Siemens nach wenigen Monaten getrennt hatte. Die interne Bilanzrevision im Ressort von Finanzvorstand Joe Kaeser wird Hans Winter leiten, zuvor bei der Wirtschaftsprüfergesellschaft Pricewaterhouse Coopers im Bereich interne Kontrollsysteme tätig. Bei dem 38-Jährigen sollen sämtliche Revisionsfunktionen zusammenlaufen.

Löscher erklärte, der personelle und organisatorische Umbau mache den Konzern transparenter. „Das ist ein konsequenter Schritt zur beschleunigten Bewältigung der derzeitigen Probleme bei Siemens und zur Neuausrichtung des Unternehmens“, sagte auch Cromme.

Ausgeweitet werden die Zuständigkeiten von Kommunikationschef Stephan Heimbach: Er leitet künftig das Büro Löschers und ist außerdem weltweit für die Regierungsbeziehungen des Konzerns zuständig.

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