Schmiergeldaffäre : Transparency International droht Siemens mit Ausschluss

Siemens droht wegen der Affäre um schwarze Kassen im Konzern der Ausschluss aus der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International. Von dem Skandal bei Siemens habe man erst aus der Zeitung erfahren.

Düsseldorf - Sollte der Konzern den Verein hinsichtlich aktuellen Vorwürfe nicht ausreichend informieren, müssten Konsequenzen gezogen werden, sagte Transparency-Vorstand Peter von Blomberg dem "Handelsblatt". Im Dezember laufe eine Frist für Siemens ab. "Unsere Partner in der Wirtschaft sollen Leuchttürme der Korruptionsbekämpfung sein", sagte von Blomberg. "Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass ein Unternehmen bei uns Mitglied wird und trotzdem aktiv Korruption betreibt."

Siemens steht in der Kritik, weil ehemalige und aktive Mitarbeiter beschuldigt werden, ein weltweites System von schwarzen Kassen betrieben zu haben. Die Staatsanwaltschaft München beziffert den Schaden durch Untreue für Siemens auf rund 200 Millionen Euro. Transparency International ist mit dem Verhalten von Siemens nicht einverstanden. Obwohl man laufend in Gesprächen sei, habe man von dem neuen Skandal erst aus der Zeitung erfahren, sagte von Blomberg.

Mitgliedschaft von Siemens ruht

Und obwohl der Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer die Mitgliedschaft bei Transparancy International Ende der 90er Jahre als Vorstandsvorsitzender selbst veranlasst hat, seien Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung nur schwer erkennbar. Die Mitgliedschaft von Siemens bei Transparency International ruht wegen eines früheren Korruptionsfalls in Italien bereits seit Mitte 2004.

Von Pierer wollte sich laut dem "Handelsblatt" nicht zur Sache äußern. Dies sei nicht die Aufgabe des Aufsichtsratschefs, hieß es im Umfeld des Unternehmens. Ein Siemens-Sprecher sagte dem Blatt, der Konzern bedaure die Bedenken und nehme sie ernst. In der kommenden Woche will der Siemens-Aufsichtsrat Konsequenzen aus der Affäre ziehen und die interne Korruptionskontrolle verschärfen. Transparency International zählt in Deutschland 37 Unternehmen als Mitglieder, darunter Allianz, Bosch, BASF und SAP. (tso/AFP)

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