Schmiergeldskandal : Ex-Siemens-Manager mit Haftbefehl gesucht

Er gilt als einer der Hauptakteure im Schmiergeldskandal bei Siemens: der frühere Chef der griechischen Landesgesellschaft, Michalis Christoforakos. Das Unternehmen fordert von ihm millionenschweren Schadenersatz. Vor Gericht erschien er nicht.

Gerd Höhler
277504_0_e774053a.jpg
Siemens in Athen. 100 Millionen Euro sollen als Schmiergeld geflossen sein. Foto: p-a/dpa

Athen - Der ehemalige Siemens-Manager Michalis Christoforakos wird von der griechischen Justiz mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Christoforakos, früher Landeschef von Siemens Hellas, steht im Mittelpunkt der Ermittlungen des Siemens-Schmiergeldskandals in Griechenland. Christoforakos hält sich nach Angaben seines Anwalts in München auf und war einer richterlichen Vorladung am Mittwoch nicht gefolgt – wegen Krankheit, wie er mitteilen ließ. Auch Prodromos Mavrides, früher Chef der Siemens-Telefonsparte in Griechenland, sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Ein dritter Ex-Siemensianer blieb gegen Zahlung einer Kaution von 700.000 Euro vorerst auf freiem Fuß.

Die griechische Justiz ermittelt in dem Schmiergeldskandal gegen 34 Personen, darunter auch den ehemaligen Siemens- Zentralvorstand Volker Jung. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, Schmiergelder an Manager von Staatsfirmen und griechische Politiker gezahlt zu haben, um Aufträge zu ergattern. Insgesamt sollen über Jahre hinweg rund 100 Millionen Euro geflossen sein. Die Ermittler suchen Hinweise auf Bestechung vor allem bei den milliardenschweren Aufträgen der griechischen Telefongesellschaft OTE in den 90er Jahren und für das Sicherheitssystem der Olympischen Spiele 2004.

Schmiergelder und illegale Parteispenden

Nach Aussagen früherer Siemens-Manager in Deutschland sollen bei Siemens Hellas über Jahre hinweg etwa acht Prozent der Auftragssumme als Schmiergelder gezahlt worden sein. Weitere zwei Prozent vom Jahresumsatz seien als illegale Spenden an die beiden großen politischen Parteien geflossen, meist über Konten im Ausland. Werden den Siemens- Managern solche Zahlungen nachgewiesen, drohen ihnen hohe Strafen: In Griechenland steht auf Bestechung bis zu lebenslange Haft. Ob Christoforakos im Fall seiner Verhaftung den griechischen Behörden übergeben wird, ist unklar, da er neben der griechischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

Bis vor zwei Jahren schien die berufliche und gesellschaftliche Karriere des Michalis Christoforakos nur eine Richtung zu kennen: steil nach oben. Der Absolvent des deutschen Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums in Athen studierte an der Universität Karlsruhe Chemie und arbeitete mehrere Jahre in Deutschland, bevor er in den 1990er Jahren nach Athen zurückkehrte und bei Siemens Hellas anheuerte. 1997 stieg er als erster Grieche zum Chef der griechischen Landesgesellschaft auf. Von Jahr zu Jahr konnte Christoforakos höhere Umsätze und neue Auftragsrekorde an die Zentrale in München melden.

"Unternehmer des Jahres"

Seine Erfolge brachten ihm nicht nur dort Lob und Ansehen ein, sondern auch die Kür zum „Unternehmer des Jahres“ in Griechenland. Entsprechend großspurig war das Auftreten des vom Erfolg verwöhnten Mittfünfzigers. Frühere Kollegen beschreiben Christoforakos als einen Mann, der ständig vom Ehrgeiz getrieben war. Den Chefposten bei Siemens Hellas habe er keineswegs als Endpunkt seiner Karriere betrachtet, sondern zielstrebig auf noch höhere Positionen im Konzern hingearbeitet.

Christoforakos bestreitet alle Vorwürfe. In den bisherigen Ermittlungen schwieg er. Bereits Ende 2007 hatte sich Siemens von seinem Landeschef getrennt. Offiziell wurden keine Gründe genannt. In Unternehmenskreisen heißt es, die Schmiergeldvorwürfe hätten den Ausschlag gegeben. Das bestätigte sich: Ende 2008 erhob Siemens Klage gegen Christoforakos: Der Konzern fordert fünf Millionen Euro Schadenersatz. Christoforakos behauptet immer noch, er habe damals selbst gekündigt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar