Schmiergeldskandal : Siemens kündigt langjährigem Korruptionsermittler

Der oberste Korruptionsermittler von Siemens muss gehen: Da eine gütliche Trennung offenbar nicht möglich war, hat der Technologie-Konzern seinem langjährigen Mitarbeiter die Tür gewiesen. Ihm wird vorgeworfen Informationen im Schmiergeldskandal verschwiegen und beschönigt zu haben.

MünchenDer Siemens-Konzern trennt sich im Zuge des Schmiergeldskandals nach Informationen aus Branchenkreisen von seinem langjährigen obersten Korruptionsermittler Albrecht Schäfer. Die Kündigung sei beschlossene Sache, hieß es aus dem Umfeld. Zuvor waren Gespräche über eine gütliche Trennung nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" gescheitert. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher hatte vor wenigen Wochen bereits gesagt, dass sich der Vorstand mit der Personalie befasse. Seitdem seien die Dinge weiter vorangegangen, sagte ein Siemens-Sprecher. Zu weiteren Einzelheiten äußerte er sich nicht.

Hintergrund sind Vorwürfe aus dem Aufsichtsrat, Schäfer habe in einem Bericht über den Schmiergeldskandal bei dem Elektrokonzern im Dezember 2006 nicht umfassend genug ausgesagt und ein beschönigendes Bild von den Vorgängen vermittelt. Hinter den Kulissen soll es bereits heftige Diskussionen an der Siemens-Spitze darüber gegeben haben, dass Schäfer das Unternehmen noch nicht verlassen hat.

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hatte vor zwei Monaten bereits gesagt, Anwälte seien mit der Prüfung des weiteren Vorgehens in diesem Fall beschäftigt. Mit der Kündigung käme Siemens laut dem "Spiegel-Bericht" nun der Forderung seiner US-Anwälte nach, die bereits länger Schäfers Ausscheiden verlangt haben sollen. Schäfer hingegen betonte, er habe sich stets korrekt verhalten. (mit dpa)

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