Wirtschaft : Schmoldt auf riskantem Kurs

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Von Alfons Frese

Volle Kraft zurück! So muss am Mittwochnachmittag das Kommando in Hannover gelautet haben. In der Zentrale der Industriegewerkschaft Chemie, Bergbau, Energie waren die Funktionäre arg erschrocken, welche Wellen ein Interview ihres Vormanns Hubertus Schmoldt schlug. „Schmoldt stellt DGB in Frage“, lief es über die Nachrichtenticker. „Eine böswillig falsche Interpretation“, hieß es prompt aus Hannover. Ach wirklich? Wie ist denn Schmoldts Satz zu interpretieren, man brauche den Dachverband DGB nicht mehr, wenn der nicht mehr zwischen den einzelnen Gewerkschaften vermittele?

Schmoldt untergräbt das Fundament der deutschen Einheitsgewerkschaft. Mit seinen jüngsten Äußerungen und mit dem ungewöhnlichen Bündnis mit den beiden kleinen Gewerkschaften der Eisenbahner und Ernährungsbranche. Diese drei teilten in der vergangenen Woche mit, sie wollten in der sozialpolitischen Debatte auf die Bundesregierung zugehen. Das war die erste Attacke auf den DGB und eine Reaktion auf den 6. Mai. Damals hatten sich im DGBVorstand Klaus Zwickel und Frank Bsirske gegen Schmoldt und die anderen Kleinen durchgesetzt: die Bosse der Einzelgewerkschaften und die DGB-Spitze entschlossen sich auf Druck der IG Metall und von Verdi, einen Termin mit Schröder zum Thema Agenda 2010 abzusagen. Das hat Schmoldt persönlich und politisch übel genommen. Denn er hilft gerne dem Freund im Kanzleramt, der sich beim Chemiegewerkschafter mit einer eher wohlwollenden Politik gegenüber der Pharmabranche bedankt. Schmoldts Kurs ist riskant. Gerade die kleinen Gewerkschaften brauchen den DGB, um sich gegen die Großen behaupten zu können.

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