Wirtschaft : Schnäppchen zum Fest

Die Verbraucher sind zuversichtlicher und wollen mehr Geld für Geschenke ausgeben als vor einem Jahr

Maurice Shahd

Die deutschen Verbraucher sind trotz der nach wie vor schlechten Wirtschaftslage am ersten Adventswochenende in die Geschäfte geströmt. Nach einer Umfrage des Handelsverbandes HDE hat mehr als die Hälfte der Einzelhändler am Sonnabend mehr Umsatz gemacht als im Vorjahr. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erwartet, dass der Umsatz im gesamten Weihnachtsgeschäft um ein Prozent über dem Vorjahr liegen wird. Auch die Händler selbst sind optimistisch. Der Warenhauskonzern Karstadt, die Parfümeriekette Douglas oder der Gemischtwarenhändler Strauss Innovation rechnen mit einem besseren Weihnachtsgeschäft als 2002. Um den Umsatz anzukurbeln, locken die Geschäfte stärker als je zuvor mit niedrigen Preisen.

Das Weihnachtsgeschäft könnte dem Handel einen versöhnlichen Jahresabschluss bescheren. Rund ein Fünftel ihres gesamten Umsatzes macht die Branche in den letzten zwei Monaten des Jahres. In den ersten neun Monaten gaben die Verbraucher nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 0,8 Prozent weniger aus als im Vorjahreszeitraum. Damit setzte sich die Kaufzurückhaltung der Menschen aus dem Jahr 2002 fort, als der Umsatz in der Branche nach der Einführung des Euro um zwei Prozent einbrach. Doch inzwischen sind die Chancen für ein gutes Weihnachtsgeschäft nicht schlecht.

„Es gibt Hoffnung auf eine Trendwende im privaten Konsum“, sagte GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst dem Tagesspiegel am Sonntag. „Die Menschen blicken wieder positiver in die Zukunft.“ Der von der GfK ermittelte Konsumindikator stieg für den Dezember deutlich an. Grund dafür sind laut Wübbenhorst bessere Konjunkturdaten, steigende Börsenkurse und positive Nachrichten aus den Unternehmen: „Die Menschen rechnen damit, dass ihnen die Steuerreform eine finanzielle Entlastung bringt und ihre Einkommen steigen.“ Während die GfK ein Umsatzplus von einem Prozent erwartet, rechnet das Marktforschungsunternehmen BBE nach Angaben von Geschäftsführer Ulrich Eggert sogar mit einem Anstieg von zwei Prozent.

Dabei etabliert sich der Dezember als eine Zeit, in der die Händler verstärkt mit Rabatten und Sonderangeboten um Kunden werben. „Woche für Woche bieten wir extrem gerechnete Schnäppchen“, sagte Bernhard Taubenberger, Sprecher der Elektronikketten Media Markt und Saturn. So ist Saturn („Geiz ist geil“) mit der Digitalkamera eines bekannten Markenherstellers für 99 Euro in den Jahresendspurt gegangen. Die Makromärkte (ehemals Promarkt) halten mit einer Digicam für 79 Euro dagegen. Auch die Warenhäuser Karstadt, Wertheim oder Galeria Kaufhof werben in Zeitungsbeilagen, Anzeigen und im Internet mit Preisnachlässen von 20, 30 oder 50 Prozent. Neben Elektroartikeln sind vor allem die klassischen Geschenkartikel wie Kosmetik, Accessoires oder Schmuck im Angebot. Auch Strauss Innovation kündigt weitere Sonderangebote an. „Kurz vor Weihnachten“ könnten die Kunden mit vielen Schnäppchen rechnen, sagte ein Sprecher. Handelsexperten raten, in diesem Jahr besonders auf Setangebote und Sondergrößen bei Verpackungen zu achten. Bei Kosmetik oder Lebensmitteln werden sie inzwischen gerne als Alternative zu reinen Preisnachlässen eingesetzt.

„Der Preiskampf setzt sich im Weihnachtsgeschäft fort“, sagte GfK-Marktforscher Wübbenhorst. Die Konkurrenz im Handel sei scharf wie nie zuvor. Zumal die Discounter wie Aldi, Lidl oder Plus immer stärker im Weihnachtsgeschäft mitmischen. „Im vergangenen Jahr haben die Discounter im Dezember einen deutlichen Umsatzsprung gemacht“, sagte Fred Otto, Handelsexperte des Marktforschungsinstituts AC Nielsen. Besonders die Aktionsware der Billigketten ist in den kommenden Wochen auf das Weihnachtsgeschäft zugeschnitten. So bieten Lidl und Aldi derzeit vor allem Elektrogeräte, Bekleidung und Spielzeug an. Die Marktforscher schätzen, dass die Discounter ihre Marktanteile zu Lasten der anderen Handelsformen weiter ausbauen werden.

Vor allzu viel Optimismus für das Weihnachtsgeschäft warnt der Handelsverband HDE. „Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch und mit der Reform der Sozialsysteme kommen neue Belastungen auf die Menschen zu“, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Umso stärker hofften sie darauf, dass sich Regierung und Opposition Mitte Dezember auf das Vorziehen der Steuerreform einigen werden. Für diese Saison komme die Entscheidung aber zu spät. Die Chance, schon vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts ein deutliches Signal zu setzen, habe die Politik verpasst.

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