Wirtschaft : Schneider macht den Banken heftige Vorwürfe

Baupläne wurden mit Hilfe von Tipp-Ex manipuliert

FRANKFURT (MAIN) (ro).Der ehemalige Baulöwe Jürgen Schneider hat am zweiten Prozeßtag vor der 29.Strafkammer des Frankfurter Landgerichts erneut eingeräumt, mit gefälschten Unterlagen agiert zu haben.Er stelle sich der eigenen Verantwortung, meinte er.Er richtete aber erneut heftige Vorwürfe gegen die Banken.Sie hätten von seinen unrichtigen Angaben wissen müssen. Ob Schneider, wie angekündigt, jetzt tatsächlich schweigt, ist offen.Christoph Rüêkel, einer seiner drei Verteidiger, schloß weitere Äußerungen seines Mandanten nicht aus.Staatsanwalt Dieter Haike zeigt sich unterdessen mit dem Verfahren zufrieden.Trotz der Aussagen Schneiders gebe es aber weiter keine Hinweise, daß die Banken strafrechtlich belangt werden könnten."In dem Moment aber, in dem ein Betrogener weiß, daß er betrogen wird, haben wir keinen Betrug mehr", meinte Haike und verwies damit indirekt auf die einzige Chance für Schneider, den Prozeß glimpflich zu überstehen. Schneider bekannte in einer 40minütigen Erklärung, bei den Objekten Zentralmeßpalast und Mädlerpassage in Leipzig mit Scheinrechnungen und Strohfirmen gearbeitet zu haben.Der ehemalige Immobilienspekulant soll dadurch die Auszahlungen von überhöhten Krediten erreicht und die Deutsche Bau- und Bodenbank und die BHF Bank um insgesamt 61 Mill.DM geschädigt haben.Schneider bezweifelt nicht nur diesen Schaden, denn es seien ausreichend Sicherheiten vorhanden gewesen, vor allem durch den zukünftigen Wert der Gebäude.Er meint auch, daß den Banken klar gewesen sein müsse, daß er mit Scheinrechnungen arbeitete.Im Blick auf die Zeilgalerie räumte Schneider ein, daß die von ihm der Deutschen Bank vorgelegten Mietverträge und Bauzeichnungen "objektiv" falsch gewesen seien.Schneiders ehemaliger Bauzeichner Küpferle bestätigte, daß Schneider ihn angewiesen habe, Baupläne der Zeilgalerie mit Hilfe von Tipp-Ex zu verändern und Brutto- als Nettomietflächen auszuweisen.Auch bei anderen Objekten habe man "mal ein Geschoß drunter oder drüber" eingezeichnet.Schneider hält den Banken auch bei der Zeilgalerie grobe Fahrlässigkeit vor.Jedem leitenden Vertreter der Deutschen Bank sei das hohe Kreditvolumen von über 400 Mill.DM für die Zeilgalerie bekannt gewesen."Sie brauchten im übrigen nur wenige Schritte zu tun, um sich über Gebäude, Mieter und über die Mietfläche ein Bild zu machen." Schneider hatte sein Kreditwunsch mit einer Netto-Mietfläche von 20 151 Quadratmetern untermauert.Tatsächlich waren es aber nur 9000, wie sogar auf dem Bauschild zu lesen war."Es ist unwahrscheinlich, daß dies der Bank verborgen bleiben konnte." Auch mit Blick auf die Objekte Kurfürsteneck und Tauentzienstraße 7b/c in Berlin räumte Schneider "Täuschungen" ein.Obwohl dies der Dresdner Bank bewußt gewesen sein müsse, sei darüber mit ihm nie gesprochen worden.Am Dienstag wird der Prozeß fortgesetzt.

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