Wirtschaft : Schneider sagt nicht viel Neues

Offensichlich sind alle Beteiligten an einem schnellen Ende des Prozesses interessiert FRANKFURT (MAIN) (dpa/AP).Der ungeteilten Aufmerksamkeit der rund 170 Zuhörer konnte sich Jürgen Schneider sicher sein, als er am Montag kurz nach elf Uhr anfing, eine 24seitige Erklärung zu verlesen.Sie habe ihn große persönliche Überwindung und viel Kraft gekostet, beteuert der einstige Herr über gut 170 Spitzenimmobilien.Zu neuen Einsichten hat sie den Mann offenbar nicht geführt: Immer noch fühlt sich Schneider von den Banken fallengelassen, immer noch hält er den Zusammenbruch seines Immobilienimperiums im Jahr 1994 für unnötig. Viel Neues hat er nicht in seine erste Erklärung hineingeschrieben, meint nicht nur der Staatsanwalt Dieter Haike.Bestenfalls entwickle sich Schneider auf ein Geständnis zu.Doch Verteidiger Franz Salditt mag noch nicht von einem Geständnis reden und vertröstete neugierige Zuhörer auf den kommenden Donnerstag, an dem sein Mandant konkreter werden will."Hohes Gericht, wo soll ich beginnen, meinen Fall zu erklären, der am Schluß ein Sturz gewesen ist? Seit Monaten habe ich darüber nachgedacht", sagte Schneider zu Beginn seiner 30 Seiten langen Erklärung.Drei Jahre, nachdem sein Immobilienkonzern unter der Last von 5 Mrd.DM Schulden zusammengebrochen war und die Schneiders ihre "Erholungsreise" nach Florida antraten, zeigten sich alle Prozeßbeteiligten hocherfreut über den fast harmonischen Prozeßbeginn. Angesichts der 66 Aktenordner, die hinter dem Richtertisch aufgestellt waren, und der mehr als 200 möglichen Zeugen schien ein über Monate sich hinschleppendes Verfahren durchaus denkbar.Aber die drei Verteidiger betonten, sie wollten im Interesse ihres gebeutelten Mandanten jeden unnötigen Streit vermeiden.Der Vorsitzende Richter Heinrich Gehrke dankte den Verteidigern dafür, daß sie ein sachliches und zügiges Verfahren anstrebten.Und Staatsanwalt Dieter Haike lobte Schneiders weitere Kurskorrektur.Der Verzicht auf zahlreiche Befangenheits- und Verfahrensanträge sei für ein Wirtschaftsverfahren dieser Größe bemerkenswert, lautet das erste vorsichtige Lob der Gegenseite.Vor der Presse machte Schneider-Anwalt Eckart Hild seine Hoffnung auf ein schnelles und mildes Urteil deutlich: "Ein Deal ist immer eine Möglichkeit." Der freundliche Umgangston täuschte allerdings nicht darüber hinweg, daß Schneider Angeklagter in einem Strafprozeß ist, und ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe droht.Er hatte bei der Finanzierung der Mädlerpassage und des Messepalastes in Leipzig, des Kurfürstenecks und des Grundstücks Tauentzienstraße 7b/c in Berlin sowie der Frankfurter Zeilgalerie von fünf Banken mit falschen Angaben 300 Mill.DM ungesicherte Kredite ergaunert. Und bislang nutzt Schneiders Reden dem Gericht so wenig wie sein Schweigen, in das er nach seinen Erklärungen vorläufig wieder fallen will.Daß er an Kreditunterlagen manipuliert hat, ist seit seiner dreimonatigen Vernehmung durch BKA-Beamte im vergangenen Jahr hinreichend bekannt.Die schlampige Kreditprüfung der Banken, die Schneider anschaulich schilderte, soll ihm zum Strohhalm geraten: Die Mitschuld der Banken müsse geklärt werden, fordern seine drei Staranwälte unisono, und auch Ankläger Haike glaubt, auf die "Bankzeugen" nicht verzichten zu können. Schneider will nicht allein untergehen.Daneben will er seine privaten Verhältnisse in Ordnung bringen.Daß seine "liebe Frau" unter den Geschäften zu leiden hatte, sei seine größte Niederlage gewesen, sagt er.Auch seinen ehemaligen Bauingenieur Karl-Heinrich Küpferle, der als Randfigur hinter seinem Chef auf der Anklagebank Platz genommen hat, will er heraushalten: Der habe von nichts gewußt.

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