Wirtschaft : Schneller Anschluss unter 115 Ausschreibung für einheitliche Behördennummer

Corinna Visser

Berlin - An der Straßenecke türmt sich seit Tagen ein Müllberg. Wer sorgt dafür, dass der endlich verschwindet? Der Führerschein ist verloren gegangen. Wie bekomme ich schnell einen neuen? Bald sollen sich die Berliner Bürger keine Gedanken mehr machen müssen, wo sie Antworten auf diese und alle anderen Fragen an die Verwaltung bekommen. Sie müssen dann einfach nur noch die bundesweit einheitliche Service-Nummer 115 anrufen.

Berlin ist eine Modellregion in dem Projekt des Bundesinnenministeriums und will im Spätsommer zu den ersten Regionen Deutschlands gehören, die die Nummer schalten. Die Berliner IT-Industrie ist zuversichtlich, dass das klappt. „Es wird von allen Seiten aufs Tempo gedrückt“, sagt Ortwin Wohlrab, Vorsitzender des Softwareverbandes SIBB. Am morgigen Dienstag will Berlins Innenstaatssekretär Ulrich Freise die Ergebnisse des Vorbereitungsprojektes präsentieren.

24 Berliner IT-Unternehmen haben sich zwischen September und November vergangenen Jahres an dem Vorprojekt beteiligt, darunter auch Wohlrabs IT-Beratungsfirma Eitco. Vier Themen haben sie bearbeitet: Zum einen ging es um das Wissensmanagement, also darum, wie die Mitarbeiter am Service-Telefon schnell auf die nötigen Informationen zugreifen können. Schließlich sollen sie beantworten können, wo man einen Angelschein bekommt oder auch welche Papiere man zur Anmeldung einer Eheschließung braucht. Weiter ging es um die technischen Voraussetzungen für das Call-Center sowie die optimale Gestaltung der Prozesse. Denn im besten Fall sollen die Mitarbeiter im Call-Center die Fragen gleich abschließend beantworten. Außerdem sollte erarbeitet werden, was in einem eventuellen Katastrophenfall passieren muss.

Vorbild für das deutsche Projekt ist New York, wo es eine einheitliche Behörden-Servicenummer bereits seit 2004 gibt. Sie bietet einen umfassenden Kundenservice für alle Bürger, Unternehmen und Touristen in der Stadt.

„Berlin hat die besten Voraussetzungen für einen guten Start“, sagt Unternehmer Wohlrab. Denn in der Stadt gibt es bereits eine zentrale Behördennummer, die 900. „Unter der 900 wird heute ein Teil der Dinge beantwortet, die unter der 115 später komplett beantwortet werden“, sagt Wohlrab. Die neue Nummer werde „intelligenter sein als die 900 im Augenblick“. Heute gehen unter der 900 täglich bis zu 25 000 Anrufe ein. Knapp 100 Mitarbeiter beantworten wochentags zwischen 7 und 19 Uhr Fragen oder verbinden zu Ansprechpartnern in der Verwaltung.

Die künftige Nummer 115 wird zwar im ganzen Bundesgebiet einheitlich sein. „Aber die Systeme haben hohen regionalen Charakter“, sagt Wohlrab. „Schließlich gelten in Berlin andere Verordnungen als in Frankfurt.“

Bisher haben sich die Berliner Unternehmen unentgeltlich in dem Projekt engagiert. Jetzt hoffen sie auf lukrative Aufträge. „Die Ausschreibung sollte jetzt möglichst bald kommen“, sagt Wohlrab. Er rechnet damit im zweiten Quartal. „Billig ist das Ganze nicht zu haben“, kündigt er an. Er geht davon aus, dass die Innenverwaltung für jedes der vier Teilprojekte eine höhere sechsstellige Summe aufbringen muss. Für die Berliner Bürger soll der Anruf bei der 115 nach bisherigen Planungen kostenlos sein. Andere Länder, wie etwa Hessen, planen dagegen eine Gebühr.

Ein mögliches Hindernis auf dem Weg zur zügigen Einführung der neuen Nummer 115 in der Hauptstadt sieht Wohlrab darin, dass nicht alle Berliner Bezirke dasselbe Tempo vorlegen und an einem Strang ziehen. Auch an der 900 sind noch nicht alle Bezirke beteiligt. Außerdem wünscht sich der Unternehmer von der Senatsverwaltung, dass die Behördennummer 115 in ein einheitliches Konzept für die Service-Stadt Berlin mit eingebaut wird. So fordert er eine zügige Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie, die etwa die elektronische Beantragung von Genehmigungen vorsieht oder auch einheitliche Ansprechpartner für die Firmen. Corinna Visser

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