Wirtschaft : Schneller Aufstieg, tiefer Fall

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Davon können Mobilcom-Aktionäre nur noch träumen: Auf dem Höhepunkt des New-Economy-Booms im Jahr 2000 war die Aktie des Unternehmens rund 200 Euro wert. Heute kostet sie nicht einmal mehr zwei Euro – schon bald könnte die Firma Pleite sein. Der Glaube an den Erfolg der neuen Mobilfunktechnik UMTS hat Mobilcom an den Rand der Existenz gebracht.

Vor elf Jahren von Gerhard Schmid gegründet, vermarktete das Unternehmen zunächst Mobilfunkverträge für die Netzbetreiber und profitierte von der steigenden Handynachfrage. Neue Geschäftsfelder witterte Schmid 1998 mit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarkts. Mit aggressivem Marketing und Billigangeboten gewann Mobilcom auch im Festnetz und im Internet Kunden und Marktanteile.

Doch Schmid wollte noch höher hinaus und selbst Netzbetreiber werden. Die Chance dazu kam im Jahr 2000: Deutschland versteigerte die Lizenzen für die neue Mobilfunktechnik UMTS. Allein hätte Mobilcom das nie finanzieren können. Schmid handelte eine Partnerschaft mit France Télécom aus. Die Franzosen wollten auf dem wichtigen deutschen Markt mitspielen – und sich damit auch am Ex-Verbündeten Deutsche Telekom rächen. Allerdings hatten sie in Deutschland keinen einzigen Kunden. Die brachte Mobilcom ein. Dafür finanzierte France Télécom die UMTS-Lizenz für 8,4 Milliarden Euro und sicherte über Kredite und Bankbürgschaften den Aufbau des neuen Netzes, der Milliarden Euro kosten wird.

Schmid ging den UMTS-Aufbau an, entschlossen, zu den ersten auf dem Markt zu gehören. Zahlen sollten die Franzosen. Doch die hatten inzwischen einen Schuldenberg von 70 Milliarden Euro angehäuft und zeigten nicht mehr bereit, die ehrgeizigen Pläne Schmids zu finanzieren. Im Juni dieses Jahres wurde Schmid als Vorstandschef entlassen. Das Schicksal von Mobilcom liegt nun in der Hand der Franzosen. vis

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