Wirtschaft : Schneller, teurer, schicker

Das Auto, die Uhr, das Urlaubsziel: Statussymbole sollen den Rang im sozialen Gefüge demonstrieren. Darüber kann man lächeln – oder solche Oberflächlichkeiten für sich nutzen

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Auslaufmodell.
Auslaufmodell.Foto: dapd

Von den goldenen Manschettenknöpfen über das schicke Auto auf dem Firmenparkplatz bis zum Urlaub auf den Seychellen – Fulya Sonnenschein kennt sie, die Statussymbole, mit denen Menschen Eindruck schinden, sich selbst als reich und einflussreich darstellen wollen. Sie ist Knigge-Expertin und unterrichtet in Berlin in Etikette-Seminaren, wie man sich bei einem geschäftlichen Treffen, bei einem schicken Abendessen oder im Ausland verhalten soll. Dabei spielen auch Statussymbole eine Rolle.

Nicht jedes dieser Zeichen wird aber in jeder Gesellschaftsgruppe gleich gedeutet. Fulya Sonnenschein ist selbst türkischer Herkunft und weiß: „In anderen Ländern sind oft ganz andere Symbole wichtig als in Deutschland. Auf dem Land sind es andere als in der Stadt.“ Und natürlich spielt auch die Branche eine Rolle: Während es bei einer Grafikagentur kleidungsmäßig eher locker zu geht und man durch die richtige Computermarke Anerkennung bekommt, sind in der Chefetage einer Bank Anzug und Krawatte oder ein edler Kugelschreiber angesagt.

Doch nicht nur die Kleidung, die Büroeinrichtung oder das Auto lassen auf den Status einer Person deuten. Auch gutes Benehmen, weltläufiges Auftreten, Fremdsprachen oder die gut ausgebildeten Kinder eignen sich, um sich vor seinem Gegenüber als kompetent und einflussreich zu positionieren. Das gilt besonders für Angestellte, die sich mit Akquise beschäftigen, die viele, eher oberflächliche Kundenkontakte haben und Menschen für sich und ihre Ideen gewinnen müssen, sagt Fulya Sonnenschein.

Auch für Selbstständige, die ihr Unternehmen und damit auch sich selbst am Markt etablieren wollen, spielen Statussymbole eine wichtige Rolle. Die Frage nach dem „richtigen“ Erscheinungsbild beginnt bei grundsätzlichen Entscheidungen: Wie ist meine Preisstruktur? Wo treffe ich mich mit Auftraggebern? Wie sieht mein Geschäftspapier aus? „Auch damit zeige ich, wo ich stehe und wer ich bin.“ Solche Fragen stellen die Klienten von Esther Kimmel. Sie coacht Existenzgründer und gestandene Unternehmer.

Die Expertin rät zu einem professionellen, authentischen Auftreten, das zur Unternehmensidee und zur Qualifikation passt. „Viele meine Klienten sind sehr kreativ, wenn es zum Beispiel darum geht, einen geeigneten Ort für ein geschäftliches Treffen zu finden“, sagt Esther Kimmel. Arbeiten sie von Zuhause aus, wird in das Büro eines Freundes eingeladen. Oder man mietet sich einen Besprechungsraum in einem Co-Working-Space. Die Frage, welches Auto für einen Gründer angemessen sei, musste sie noch nie beantworten. „Das liegt auch daran, dass viele Gründer in Berlin gar keinen Wagen haben. Das ist hier kein so wichtiges Aushängeschild“, sagt sie.

Das hat auch die Knigge-Expertin Fulya Sonnenschein festgestellt. „In einer Stadt wie Berlin ist es ein Zeichen von Umweltbewusstsein und gutem Zeitmanagement, wenn man sich mit der U-Bahn oder dem Fahrrad fortbewegt“, sagt sie.

Die alltägliche Lässigkeit, die Berlin nachgesagt wird, gilt nicht im Geschäftsleben. „Ein zuvorkommendes, authentisches Benehmen und korrekte, der Branche und dem Anlass angemessene Kleidung sind ein Muss“, sagt Fulya Sonnenschein. In eher konservativen Berufen hat Er einen gut sitzender Anzug und Krawatte zu tragen, Sie präsentiert sich im Kostüm oder Hosenanzug. Zudem gebe es eine eigene „Manschettensprache“, sagt Fulya Sonnenschein. „Als Angestellter sollte man den Chef, als Unternehmer den potenziellen Kunden nicht durch teurere Exemplare übertrumpfen.“ Unter Künstlern herrschen andere Codes. Statt mit Krawatten trumpft man hier mit sorgfältig ausgewählten Stücken angesagter Designer oder mit einem eigenen, unverwechselbaren Kleidungsstil. Wichtiger als teure Marken sei aber generell, dass man sich in seiner Kleidung wohl fühlt. Dann trete man gleich ganz anders auf.

Überhaupt wirken nach den Erfahrungen der Beraterin Statussymbole nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen. „Sie geben Selbstsicherheit und das merkt auch das Gegenüber“, sagt sie.

Unangemessen, ja peinlich wirke es, wenn das Erscheinungsbild nicht zur Position passt. „Fährt ein junger Gründer in einer Luxuskarosse vor, nimmt ihm keiner ab, dass er dafür das Geld hat.“

Nicht alles, was früher Eindruck machte, ist heute noch ein Statussymbol. „Seit am Beispiel von Politikern herausgekommen ist, wie leicht man einen Doktor bekommen kann, ist die Strahlkraft akademischer Titel verblasst“, sagt die Expertin.

Vorsicht sei bei Geschäftsreisen ins Ausland oder Treffen mit ausländischen Geschäftspartnern geboten. Ist ein Gastgeschenk angebracht oder nicht? In welcher Reihenfolge werden die Gäste begrüßt? Was gilt als schick? „Darüber sollte man sich gut informieren, damit man nicht gleich in ein Fettnäpfchen tritt“, sagt sie. Zum Beispiel sei es in der Türkei verpönt, bei einem Geschäftsessen die Rechnung zu teilen. Es gehört zum guten Stil, dass einer der beiden Parteien sie übernimmt. Auch Sommerhäuser seien in der Türkei ein wichtigeres Statussymbol als in Deutschland.

Doch es gibt nicht nur kulturelle, sondern auch geschlechtsspezifische Unterschiede im Umgang mit Statussymbolen. Die Beobachtung der Benimmexpertin ist: Männer gehen unverkrampfter mit Statussymbolen um, Frauen setzen sie eher subtiler ein. Während Er durch einen großen Dienstwagen Eindruck machen will, ist es bei Ihr vielleicht „nur“ der Schmuck. „Das kann zu Missverständnissen führen“, warnt sie.

Was jedoch bei jedem Zusammentreffen überzeuge, sei Kompetenz. „Wenn Sie gut vorbereitet sind und ihr Gegenüber inhaltlich überzeugen, ist es fast egal, was sie anhaben.“

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