Wirtschaft : Schnelles Internet beflügelt die Branche T-Online erhöht Gewinnprognose

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Frankfurt am Main - Die deutschen Internetanbieter haben im dritten Quartal Rekordzahlen bei Neukunden für schnelle DSL-Zugänge erzielt. Trotz zuletzt sinkender Gewinne hat der zum Telekom-Konzern gehörende Marktführer T-Online deshalb seine Gewinnprognose vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) für das Gesamtjahr von 285 auf 315 Millionen Euro angehoben. Grund ist die wachsende Zahl von Kunden, die ihre langsamen Internetzugänge aufrüsten und in DSL-Verträge wechseln. An diesen lässt sich trotz des harten Preiskampfes deutlich mehr verdienen als an herkömmlichen Anschlüssen.

Positiv überraschte auch T-Onlines schärfster Konkurrent United Internet: Nach neuen Rekordmarken bei Umsatz und Ertrag sprach Vorstandschef Ralph Dommermuth vom „besten Ergebnis der Firmengeschichte“. Für das Gesamtjahr geht das Unternehmen davon aus, den Umsatz um 45 Prozent auf 740 Millionen Euro zu steigern. Das Ergebnis vor Steuern soll um 28 Prozent auf etwa 90 Millionen Euro in die Höhe schnellen.

In der ganzen Branche ist die boomende Nachfrage nach DSL der Treiber des Wachstums: So rechnet der Branchenverband Bitkom für dieses Jahr damit, dass die Zahl der schnellen Internetanschlüsse in Deutschland um 50 Prozent auf rund zehn Millionen wachsen wird. Damit entwickelt sich der Markt dynamischer als von Experten noch bis zur Jahresmitte angenommen.

Der Grund für die riesige Nachfrage: Die rapide sinkenden Preise machen DSL-Anschlüsse für die Nutzer immer attraktiver. Denn in der Branche tobt ein gnadenloser Preiskampf zwischen den Anbietern, die nach möglichst hohen Marktanteilen streben. Einbrechende Umsätze im klassischen Telefongeschäft versuchen vor allem etablierte Wettbewerber wie die Telekom durch Zuwächse bei breitbandigen Internetanschlüssen auszugleichen. Zu den neuen Geschäftsfeldern zählen auch Telefonieren über das Internet, Musik- sowie Video- und Fernsehangebote.

Durch die Preissenkungen der Wettbewerber war T-Online in den vergangenen Monaten stark unter Druck gekommen. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen sein Ziel von 50 Prozent Marktanteil bei DSL-Neukunden knapp verfehlt. Doch mit deutlichen Preisnachlässen auf DSL-Pauschaltarife von unter zehn Euro im Monat hat der Marktführer inzwischen erfolgreich auf den Wettbewerb reagiert: Im dritten Quartal hat T-Online 342000 neue DSL-Kunden gewonnen und damit den Wettbewerber United Internet mit 190000 DSL-Neukunden deutlich hinter sich gelassen.

Künftig könnten neue Preiskämpfe die Geschäftsmodelle aller Anbieter auf eine harte Probe stellen: „Der Kampf um neue DSL-Kunden ist nicht vorbei“, sagte T-Online-Chef Rainer Beaujean. SES-Analyst Jochen Reichert glaubt, dass einige Anbieter bereits den Bogen bei den Preissenkungen überspannt haben.

Insgesamt ist die DSL-Kundenzahl von T-Online in Deutschland auf mehr als vier Millionen gestiegen, United Internet hat mit Marken wie 1&1 und GMX nun 1,53 Millionen DSL-Kunden unter Vertrag. Deutlich abgeschlagen liegt dagegen die Hamburger Freenet, die im dritten Quartal 80000 neue DSL-Kunden gewinnen konnte und nun eine Basis von 600000 DSL-Kunden hat. tnt/lip (HB)

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