Wirtschaft : Schön beschaulich – fast wie in einer Vorstadt

Schauspieler Christopher Buchholz über Pankow

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Christopher Buchholz lebt in Prenzlauer Berg. Foto: Promo
Christopher Buchholz lebt in Prenzlauer Berg. Foto: Promo

Berlin ist nicht Paris und Pankow nicht der Prenzlauer Berg. Auch die Migration der bourgeoisen Boheme vom Kollwitzplatz in Richtung Norden ändert für Christopher Buchholz nichts daran. Der Schauspieler und Regisseur pendelt momentan beruflich zwischen seiner Altbauwohnung im Prenzlauer Berg und der schwäbischen Provinz, wo er in Tübingen mit der Leitung der Französischen Filmtage beauftragt ist. Zwischendurch verschlägt es ihn außerdem in seine Heimatstadt Paris oder zu Dreharbeiten nach Rabbat oder Rom. Möglichkeiten zum Städtevergleich hat er also genug.

„Berlin hat einen speziellen Charme“, sagt er, „ich mag vor allem die Gründerzeitarchitektur mit den hohen Decken und die Tatsache, dass man sich hier als Familie im Vergleich zu Paris eine große Wohnung in Zentrumsnähe leisten kann.“ Das Quartier rund um den Kollwitzplatz nennt er seit fast drei Jahren sein Zuhause. Anfangs sei er skeptisch gewesen. „Der Prenzlauer Berg und vor allem der Kollwitzkiez sind durch ihre Beliebtheit wie Disneyland“, meint Buchholz. Aber die direkte Nachbarschaft habe sich zu einer interessanten internationalen Community entwickelt. Das gefällt ihm. Gleichzeitig distanziert er sich von den Menschen, den „Bobos“, die es einfach nur schick finden, am „Kolle“ zu wohnen und bereit sind, dafür überteuerte Mieten zu zahlen. „Ich bin ein Stadtmensch“, sagt Buchholz, „ich mag es, wenn ich viele Dinge zu Fuß erledigen kann und dabei auch noch etwas Interessantes sehe oder im Café Menschen beobachten kann. Außerdem finde ich, dass zum Leben in der Stadt auch Spaziergänge im Park gehören.“ Insofern sei der südliche Prenzlauer Berg ein guter Ausgangspunkt, auch wenn ihm eine Wohnung näher am Tiergarten lieber wäre. „Der Mauerpark ist überhaupt nichts für mich“, sagt er, „da ist mir der Friedrichshain lieber.“

Auch wenn er sich mittlerweile in seinem Umfeld wohlfühlt, vermisst er im Vergleich zu Paris größere, zusammenhängende Quartiere, die man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Im Prenzlauer Berg seien die Grenzen doch recht eng gesteckt und man wandere schnell von einem schönen, lebendigen Stadtteil in ein Niemandsland ohne ansprechende Geschäfte oder Restaurants. „Ein reines Wohngebiet mitten in der Stadt ohne Infrastruktur ist mir fremd“, sagt Buchholz, „das gibt es in Paris so nicht. Zum Leben gehören schließlich nicht nur Wohnungen, sondern auch Geschäfte, Kinos und so weiter. Dafür sollte man in der Stadt nicht weit unterwegs sein müssen.“

Ob er sich vorstellen könnte nach Pankow zu ziehen? Buchholz schüttelt den Kopf. „Nein, niemals. Ich weiß, es klingt komisch, aber für mich endet die Stadt am S-Bahnring. Alles, was außerhalb liegt, erscheint mir zu weit weg von allem, was für mich Stadt ausmacht. Ich hätte dann auch das Gefühl, ich müsste mir ein Auto zulegen, um Besorgungen zu erledigen.“

Die Beschaulichkeit in Pankow entspreche einfach nicht seinen Erwartungen an ein urbanes Leben. Es fühle sich schon zu sehr nach Vorstadt an. „Berlin ist für mich nur im Zentrum interessant“, sagt er. Andererseits gibt er zu bedenken, dass gerade dort ein unangenehmer Verdrängungsprozess stattfindet. „Man sieht wenig ältere Menschen, nur Familien mit kleinen Kindern oder hippe Leute, die sich für das Gelbe vom Ei halten. Ohne ältere Menschen ist ein Quartier aber nicht mehr rund, es fehlt etwas.“ Das sei zwar in vielen Ecken von Pankow noch anders, aber dafür fehle dort eine attraktive Infrastruktur mit Geschäften, Restaurants und mehr. Pankow ist eben nicht Prenzlauer Berg. Tong-Jin Smith

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