Wirtschaft : Schöne neue Dot.Com-Welt (Kommentar)

Vanessa Liertz

Es wird die teuerste Fusion der Welt. AOL und Time Warner schwingen sich auf zu einem neuen Superlativ. Der Chef des Online-Unternehmens, Steve Case, spricht von der "ersten Medien- und Kommunikationsgesellschaft des Internet-Zeitalters". Das ist ein großes Wort. Stimmt es auch? Ja, glaubt man der Börse. Die Ankündigung des weltgrößten Medienunternehmens und des weltgrößten Online-Anbieters hat ein Kursfeuerwerk ausgelöst: Die Aktie von Time Warner lag am Nachmittag in New York fast 50 Prozent höher als am Vortag. Keine Frage: Jetzt wird auch aus Time Warner ein Dot.Com-Unternehmen. Viele wird das nicht nur überrascht, sondern auch erschreckt haben. Ausgerechnet die Größten haben das geschafft, worum sich andere bisher vergeblich bemüht haben: ein Bündnis zwischen alten und neuen Medien zu schließen. Ein Riese, so sagen jetzt viele, droht sich über die alten und neuen Medien zu erheben. Ein Riese mit viel Macht und Möglichkeiten. Time Warner etwa bringt mit seinen Magazinen, seinen Fernsehsendern und seinen Kino-Filmen ein großes Spektrum an Informationen ein, für die AOL mit seinen zahlreichen Internet-Diensten eine neue, riesige Plattform sein kann. Da jubelt der Verbraucher. Demnächst können rund 20 Millionen AOL-Kunden die neuesten Nachrichten von CNN oder einen Film mit Arnold Schwarzenegger auf ihrem PC-Bildschirm betrachten, vielleicht sogar vom Wohnzimmer-Sofa aus. Denn Time Warner hat sich auch schon Kabelrechte in den USA gesichert. Freilich, für den deutschen Verbraucher bleibt das alles noch Zukunftsmusik, weil AOL-Deutschland weiterhin ein Joint Venture des US-Unternehmens und des Time Warner Konkurrenten Bertelsmann bleiben soll. Und in die deutschen Wohnzimmer reichen die Kabel von Time Warner nicht. Noch nicht. Denn so überraschend am Montag die Nachricht selbst für Kenner der Branche war. Die Internet-Fernsehwelt wird noch für weitere Sensationen gut sein.

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