Wirtschaft : Schöner scheitern in China

Studie: Westmarken nur vorübergehend erfolgreich

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Selbst große Unternehmen werden es trotz eines rasant wachsenden Marktes schwer haben ihre Position in China zu halten. Denn einheimische Firmen bauen ihren Marktanteil immer weiter aus und kontrollieren, wie etwa der Hausgeräte- und Elektrohersteller Haier, schon 40 Prozent des Inlandsmarktes. Zu dem Ergebnis kommt eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey. Ein Drittel aller westlichen Firmen wird China deshalb in den nächsten fünf Jahren sogar wieder den Rücken kehren, vermutet die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Dabei sind die Marktaussichten generell mehr als viel versprechend, wie beide Analysen zeigen. „Was in China in den nächsten Jahren passiert gleicht einer Konsumrevolution“, sagt McKinsey-Experte Stefan Albrecht.

Bis 2010 steige die Zahl der Chinesen mit einer Kaufkraft von 25000 Dollar und mehr pro Jahr um das Fünffache auf 50 Millionen. Auch die Zahl der Reichen werde rasant zunehmen. Schon heute verfügen mehr als zwei Millionen Chinesen über ein liquides Geldvermögen von 400000 Dollar. „All dies lässt vor allem die Märkte für Handys, Autos, Computer, Bier, alkoholfreie Getränke, Kosmetika geradezu explodieren“, sagt Albrecht. 2003 etwa wurden in China 62 Millionen Handys verkauft. Trotzdem liegt die Marktdurchdringung erst bei 20 Prozent und damit weit unter den Werten in Europa oder in den USA.

Wegen unzureichender Marktkenntnisse, falscher Einschätzung der chinesischen Konsumenten und zu hoher Preise müssen westliche Anbieter aber schon heute oft das Feld räumen. Bei Farbfernsehern etwa ist ihr Marktanteil von 37 Prozent 1995 auf nur noch 13 Prozent 2002 gesunken. Peter von Hochberg von Booz Allen Hamilton schätzt, dass derzeit fast die Hälfte der ausländischen Unternehmen in China mit Verlusten oder zu niedrigen Gewinnen arbeitet. Immer noch würden zu viele Fehler gemacht, etwa bei der Auswahl der lokalen Partner, durch den Verzicht auf einheimische Experten oder durch zu langsame Reaktion auf Konsumentenwünsche.

Westliche Unternehmen müssen sich nach Auffassung von McKinsey auch auf die Konkurrenz durch Chinesen in der Heimat einstellen. In Deutschland etwa schluckte der Handy- und Fernseh-Hersteller TCL die Schneider Electronics. Gleichzeitig gehen Exporte aus China rasant in die Höhe, in diesem Jahr steigt das Volumen um 18 Prozent auf fast 500 Milliarden Dollar. Nach Deutschland werden Waren für 24 Milliarden Dollar exportiert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben