Schokolade : Süße Berlin-Editionen

Ritter-Sport investiert in der Hauptstadt – wer will, kann seine eigene Kreation anfertigen lassen

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Schokoladenhersteller Ritter-Sport investiert in Berlin. Im Herbst eröffnet das Unternehmen einen Flagshipstore in der Französischen Straße, Nummer 24. „Dafür geben wir einen siebenstelligen Betrag aus“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Auf drei Etagen und insgesamt fast 1000 Quadratmetern hat sich Ritter Sport einen langfristigen Mietvertrag in der Mitte Berlins gesichert. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Kaufhaus Galeries Lafayette bietet einer der größten Schokoladenhersteller Europas künftig Kulinarisches und Informationen zur Schokoladenherstellung.

Geplant ist neben einer Lounge, einem Café und einem Shop eine Schokoladenwerkstatt. Dort sollen Kinder die Theorie direkt in die Praxis umsetzen und ihre eigene Schokolade herstellen können. „Unsere erwachsenen Kunden können außerdem eigene Schokokreationen mit individuellen Zutaten erstellen lassen“, sagte der Ritter-Sport-Sprecher. In Berlin werde es auch exklusive Sorten zu kaufen geben: „Berlin Editionen“, die sonst nicht erhältlich seien.

Am Firmensitz im schwäbischen Waldenbuch bei Stuttgart betreibt der Schokoladenhersteller schon mit großem Erfolg ein Kunstmuseum mit Café, Shop und Werkstatt. Zudem ist das Unternehmen mit einer mobilen Schokoladenmanufaktur unterwegs.

Die Geschäfte des 100-jährigen Familienunternehmens mit knapp 800 Beschäftigten liefen zuletzt trotz Wirtschaftskrise besser. 2008 schaffte es Ritter- Sport nach Jahren aus den roten Zahlen – trotz einer Preiserhöhung um 20 Prozent im Februar 2008. Der Sprung war den gestiegenen Rohstoffpreisen (vor allem Kakao und Haselnüsse) und gestiegenen Qualitätsansprüchen geschuldet. „Das hat uns Marktanteile und Absatz gekostet, aber der Umsatz ist insgesamt auf 296 Millionen Euro gestiegen“, sagte der Sprecher. Im Ausland habe man allerdings Erlöseinbußen erlitten. Ritter-Sport ist in 90 Ländern vertreten. Zwei Drittel der Produktion werden aber hierzulande verkauft. Auch Umsatz und Ergebnis im ersten Quartal 2009 lagen nach Angaben von Ritter-Sport „leicht über dem Vorjahresniveau“. Detaillierte Quartalszahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Der Süßwarenmarkt insgesamt hat zu Jahresanfang hingegen deutlich unter der Wirtschaftskrise gelitten. Der Umsatz schrumpfte im Januar und Februar nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 8,4 Prozent. Laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie setzte sich dieser Trend im gesamten ersten Quartal fort. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Überproportional rückläufig waren die Bereiche Schokoladen- und Zuckerwaren mit einem Minus von knapp zehn Prozent (Januar/Februar).

2008 war für die Schokohersteller noch ein gutes Jahr gewesen. Der Umsatz mit Tafelschokolade stieg um zehn Prozent. Insgesamt setzten deutsche Hersteller auf dem inländischen Süßwarenmarkt rund sieben Milliarden Euro um. Im Schnitt verzehrten die Deutschen knapp 9,3 Kilo Schokolade.

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