Wirtschaft : Schokoladenfrühling

In der Bremer Süßwarenfabrik Hachez sind die ersten Osterhasen schon fertig

Eckhard Stengel

Bremen - Während viele noch die Restbestände ihrer Schokoweihnachtsmänner vertilgen, ist bei der Süßwarenfabrik „Bremer Hachez Chocolade“ schon längst der Frühling ausgebrochen. In dem verwinkelten Gebäudekomplex unweit der Bremer Innenstadt, der vollgestopft ist mit wundersamen Geräten wie „Melangeuren“ und „Conchen“, stapeln sich bereits seit der Vorweihnachtszeit die ersten Plastikkörbe mit Ostereiern. Hachez (sprich: Haschee) zählt zu jenen rar gesäten Fabrikanten, die vom Öffnen der Edelkakaobohnensäcke bis zum Verpacken der fertigen Produkte die gesamte Herstellung selber abwickeln. Plant er keine Verlagerung in Billiglohnländer? „Nein“, versichert Hasso Nauck, einer von zwei Inhabern und Geschäftsführern des Traditionsbetriebes von 1890. Schließlich will Hachez kein Massenprodukt werden, sondern weiter in der Premium-Liga mitspielen.

Dort sehen sich die Bremer auf Platz zwei weit hinter Lindt. Genaue Geschäftszahlen will der gebürtige Bremer nicht verraten. Nur so viel: Das Unternehmen schreibe stets schwarze Zahlen und wachse jährlich um drei bis fünf Prozent, vor allem durch neue Kreationen wie die „Chocolade-Töpfchen“ der Geschmacksrichtung Erdbeer/Pfeffer oder die Gummibärchen mit Schokoüberzug. Dabei vollbringe der Mittelständler „jeden Tag einen Spagat zwischen Tradition und Moderne“, sagt Nauck. Er nutzt weiterhin Grundrezepturen des belgischstämmigen Firmengründers Joseph Emile Hachez, aber zugleich wird laut Nauck „die Klaviatur aller Rezepturen konsequent durchgespielt“ – einschließlich neuer Variationen für die legendären „Braunen Blätter“ von 1923.

Auf Werbekampagnen verzichten die Bremer ganz. Sie diktieren dem direkt belieferten Einzelhandel sogar die hohen Verkaufspreise. Als ein Konzern nicht habe mitspielen wollen, „haben wir ihn trockengelegt“, bis er die Preispolitik wieder akzeptiert habe. Aber es sei anstrengender geworden, sich gegen die Geiz- ist-geil-Mentalität zu behaupten.

Noch vor zwei Jahrzehnten, so erzählt Nauck, galt bei Hachez das Motto: „Wir produzieren die beste Schokolade, und die teilen wir dem Markt zu.“ Dann kam Hasso Nauck. Der heute 56-Jährige war Marketingchef für Milka-Schokolade beim Bremer Großkonzern Jacobs Suchard (heute Kraft Foods) und wechselte 1990 zu dem Mittelständler, der damals der Zuckerraffinerie Tangermünde gehörte. Als neuer Geschäftsführer brachte er frischen Wind in den Betrieb.

2000 kaufte er die Firma mit seinem Jugendfreund Wolf Kropp-Büttner komplett auf, ganz im Sinne der Familientradition: Denn Nauck ist einer von neun Enkeln des einstigen Hachez-Mitinhabers Otto Hasse. Zusammen mit Hachez übernahmen Nauck und Kropp-Büttner auch die im selben Haus residierende Schwesterfirma Feodora mit ihren 40 Angestellten, deren Schokoprodukte nach eigenen Rezepten bei Hachez hergestellt werden.

Die derzeit 425 Hachez-Festangestellten und bis zu 200 Saisonaushilfen werden der Gewerkschaft NGG zufolge korrekt nach Tarif bezahlt. Sie arbeiten nicht nur für die beiden Traditionsmarken, sondern produzieren auch Schokolade für die Süßwarenkette Arko. Bei der Stiftung Warentest schnitt Arko kürzlich „gut“ ab, die „Cocoa d’Arriba“ von Hachez nur „ausreichend“. Sie schmecke „leicht ranzig“ und überschreite den Richtwert für den Keimgehalt. Der Firmenchef wischt die Kritik beiseite: Die Tester hätten ihre subjektiven Geschmackseindrücke überbewertet, und die Keimzahl sei ungefährlich. Amtliche Prüfer, sagt Nauck, hätten immer wieder bestätigt: „Bei uns ist alles in Ordnung“. Ob das stimmt, will die zuständige Behörde aus Datenschutzgründen nicht verraten. Eckhard Stengel

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