Wirtschaft : Schon bald kann der Kunde unter Angeboten wählen (Kommentar)

Antje Sirleschtov

Wissen Sie genau, wieviel Pfennige Sie für eine Kilowattstunde Strom bezahlen? Nein? Macht nichts - Sie gehören zur Mehrheit der Deutschen, die zwar nicht sagen können, wie hoch ihre Stromrechnung ist. Aber dass sie zu hoch ist, das ahnen alle. Dass es diese düstere Ahnung gibt, hat ohne Zweifel etwas mit dem jahrzehntelangen Gefühl der Verbraucher zu tun, beim Bezug von Strom einem einzigen Anbieter quasi wahl- und hilflos ausgeliefert zu sein. Wo man nicht entrinnen kann, trübt sich der Blick für Details sehr schnell.

Das wird sich ändern. Viel rascher als von den Energieunternehmen erwartet, dehnt sich die Liberalisierung des Strommarktes auf den Bereich der Privatkunden aus. Schon im Herbst, verkünden kleine Energiebroker und große Stromriesen gleichermaßen, sollen deutschlandweit Haushalte ihrem angestammten Heimatlieferanten einfach den Vertrag kündigen können, um sich einen neuen - natürlich billigeren - Stromlieferanten suchen. Strom aus norddeutschen Windanlagen nach Bonn? Solcher aus französischen Atommeilern nach Bremen? Strom im Supermarkt auf eine Chipkarte laden? Beinahe über Nacht scheint alles möglich, was Kunden überzeugt. Aus bewegungsmüden und wettbewerbsentwöhnten Kraftwerksbetreibern werden offenbar in Windeseile kreative und serviceorientierte Unternehmen, die um die Gunst der Verbraucher buhlen. Wie schnell dieser wundersame Wandel in der Realität wirklich umzusetzen ist, wird sich noch zeigen. Selbst unter denen, die heute munter den Wettbewerb entfachen, ist noch völlig offen, wie das künftige Stromkarussell praktisch funktionieren soll. Von der Sicherstellung der Stromlieferung zu jeder Tages- und Nachtzeit bis hin zur Verantwortung für die Netze. Nur eines ist schon klar: Als Verbraucher sollte man sich von jetzt an für den eigenen Strompreis interessieren.

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