Wirtschaft : Schreiben ohne Kratzer

Die neuen Tablet PCs können alles, was ein Notebook kann. Ein Testbericht

Kurt Sagatz

Die kleinen Dinge machen den Unterschied, auch beim neuen Tablet PC von Acer. Der „Travel Mate 100" besitzt unten auf dem Display-Rand fünf kleine Tasten. Mit den Tasten lässt sich das, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, auf einfache Weise drehen: Man kann den Inhalt des Bildschirms sogar auf den Kopf stellen, denn ein Tablet PC unterscheidet sich eben nicht nur in den kleinen Dingen von den sonstigen Mobilcomputern.

Das Besondere an Tablet PCs wie dem Acer-Gerät ist, dass man mit wenigen Handgriffen aus einem Notebook mit Tastatur einen Mobilrechner machen kann, bei dem die Tastatur nicht mehr gebraucht wird, weil man mit einem kleinen Stift direkt auf den Bildschirm schreibt. Dabei ersetzt der Stift zugleich die Maus, denn sämtliche Buttons und andere Schaltflächen werden ebenfalls mit dem „Digitizer“ angeklickt.

Ansätze für tastaturlose, stiftgebundene Computer gab es bereits einige. Der große Unterscheid diesmal ist, dass hinter der Entwicklung der Microsoft-Konzern steckt. Bei dieser Neuerung wurde das aktuelle Betriebssystem Windows XP so erweitert, dass daraus die „Windows XP Tablet PC Edition" wurde. Deren Herzstück ist eine Handschriftenerkennung, die weit über das hinaus geht, was Besitzer von Palm- und anderen Handheld-Computern gewohnt sind. Während man bei den Organizern die Texte buchstabenweise eingibt, erkennt die Windows-Erweiterung ganze Sätze.

Neben Geräten wie dem „Travel Mate“, der auch weiterhin als normales, wenn auch angenehm leichtes Notebook eingesetzt werden kann, gibt es andere Tablet PCs, die ganz ohne Tastatur auskommen. Alle Geräte sind mindestens mit einem 700-Megahertz-Prozessor ausgerüstet und verfügen zumeist über Funknetzwerk-Anbindungen wie Wireless LAN oder Bluetooth. Für den deutschen Markt wird es ab Anfang November Geräte von Acer, Hewlett-Packard, Fujitsu-Siemens und Toshiba geben. Die Preise liegen zwischen 2000 und 4000 Euro.

Die neue Art des „Natural Computing“ stellt an die Hardware besondere Anforderungen: Die Oberfläche des hochauflösenden Displays ist kratzfest. Damit Berührungen der Hand das Display nicht zu fehlerhaften Eingaben führt, reagiert der Bildschirm nicht auf Druck, sondern auf die elektromagnetische Spitze des Eingabestiftes.

Um beispielsweise in Word handschriftliche Eingaben vorzunehmen, wird im unteren Bildschirmbereich ein Eingabefeld elektronisch „aufgeklappt“. Nach einer voreingestellten Verzögerungszeit wird der dort notierte Text übersetzt und in den Word-Text übernommen. Für das Microsoft-Office-Paket „Office XP“ stehen im Internet Tablet-PC-Erweiterungen bereit, mit denen die Office-Programme zusätzliche Funktionen erhalten. Damit können direkt auf Word-Dokumenten, E-Mails, Excel-Tabellen und Powerpoint-Präsentationen handschriftliche Notizen mit Textmarkern angebracht werden. Für reine Notizen verfügt das Tablet-Windows über das Programm „Journal“, bei dem der gesamte Bildschirm zum Blatt Papier wird.

Die besten Ergebnisse bei der Texteingabe per Stift erzielen übrigens nicht Nutzer, die bereits Erfahrungen mit Palm- oder anderen Handheld-PCs gesammelt haben, sondern Menschen, die auf dem Bildschirm wie auf einem ganz normalen Stück Papier schreiben. Schönschrift ist keine Voraussetzung, es reicht aus, dass man selbst die Wörter gut lesen kann. Selbst die Kombination von Handschrift und Druckbuchstaben bringt die Schrifterkennung nicht aus dem Tritt. Zur Not wird der virtuelle Tastaturersatz eingeblendet.

Fazit: Vorausgesetzt, die Preisunterschiede zwischen Tablet PCs und normalen Notebooks sind nicht gravierend, gibt es einige gute Gründe, beim Kauf des nächsten Mobilrechners die Anschaffung eines Tablet PCs in Erwägung zu ziehen.

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