Wirtschaft : Schrempp bleibt Daimler-Chrysler-Chef

Aufsichtsrat stellt sich hinter den Vorstandsvorsitzenden/Wolfgang Bernhard darf nicht an die Spitze von Mercedes

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Berlin (alf/mot). Der Aufsichtsrat von DaimlerChrysler hat am Donnerstag dem Vorstandschef Jürgen Schrempp den Rücken gestärkt. Das Gremium trage „die strategische Ausrichtung des Unternehmens in vollem Umfang mit“, hieß es nach einer Sitzung in New York. Vorstandsmitglied Wolfgang Bernhard soll indes überraschend nicht zum 1. Mai neuer Mercedes-Chef werden. Der Konzern teilte weiter mit, der operative Gewinn sei im ersten Quartal gestiegen – trotz hoher Aufwendung für das Maut-Konsortium Toll Collect und eines gesunkenen Mercedes-Gewinns. Chrysler konnte dagegen den Gewinn in den ersten drei Monaten fast verdoppeln.

Nach dem Rückzug bei der japanischen Beteiligung Mitsubishi, an der Daimler-Chrysler 37 Prozent hält, hatte es Spekulationen über die Zukunft Schrempps gegeben. Beobachter hatten den Schritt als ein Scheitern von Schrempps Strategie der Welt-AG (siehe Lexikon Seite 20) interpretiert. In Medienberichten hieß es, Schrempp habe dem Aufsichtsrat schon in der vergangenen Woche seinen Rücktritt angeboten. Davon war am Donnerstag keine Rede mehr.

Dagegen teilte der Konzern völlig überraschend mit, der langjährige Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, werde bis auf weiteres im Amt bleiben. Bernhard sollte eigentlich am 1. Mai den Spitzenjob übernehmen. Hubbert sagte dazu in New York, „in den letzten Monaten hat es sehr gravierende Auffassungsunterschiede über die Zukunft der Mercedes Car Group (neben Mercedes gehören dazu die Marken Maybach und Smart) gegeben.“ In Unternehmenskreisen hieß es, Bernhard habe Führungskräfte bei Mercedes, Arbeitnehmervertreter und Zulieferer verärgert. Es wird nun erwartet, dass Bernhard den Konzern verlässt und Hubbert bis April 2005 an der Mercedes-Spitze bleibt. Als möglicher Nachfolger wird unter anderem Smart-Chef Andreas Renschler gehandelt.

Die jüngsten Geschäftszahlen des Konzerns und die künftige Asienstrategie erläuterte Finanzchef Gentz während einer Telefonkonferenz. „Wir suchen jetzt eine Alternative zur Verbesserung unserere Asien-Strategie.“ Die Fahrzeugprojekte mit Mitsubishi würden aber fortgesetzt. Zu den 279 Millionen Euro, die das Daimler-Chrysler-Ergebnis im ersten Quartal wegen der Beteiligung an Toll Collect belasteten, sagte Gentz, diese Summe ergebe sich aus dem neuen Vertrag mit der Bundesregierung. Weitere Belastungen bei Toll Collect schloss Gentz nicht aus, diese seien aber „heute nicht absehbar“. Zum Quartalsgewinn trug Mercedes-Benz mit 639 (Vorjahr: 688) Millionen Euro am meisten bei. Der Chrysler-Gewinn stieg auf 298 (152) Millionen Euro, das Ergebnis der Nutzfahrzeuge vervielfachte sich auf 268 (47) Millionen Euro. Wegen Toll Collect reduzierte sich der Gewinn der Dienstleistungen auf 419 (221) Millionen Euro, die übrigen Aktivitäten – darunter die Luftfahrtbeteiligung EADS – kamen auf 134 (72) Millionen Euro.

Die Daimler-Chrysler-Aktie notierte am Donnerstag bei 38,35 Euro und damit um 0,5 Prozent schwächer. „Die Zahlen sind keine große Überraschung – aber auch keine negative“, sagte Robert Halver, Autoanalyst beim Schweizer Bankhaus Vontobel. Besonders das gute Quartalsergebnis von Chrysler hätte Schrempp entlastet. Mit „knirschendem Getriebe“ sei der US-Autobauer offenbar auf Erholungskurs. „Daimler wird Chrysler nicht auch noch an die Wand stellen“, glaubt Halver. Der Konzern bleibe bei seiner Weltstrategie – „in abgespeckter Form“. Norbert Kretlow von Independent Research warnte indes vor einer Überbewertung der Zahlen. „Ein positives Quartal bei Chrysler bestätigt noch nicht die ganze Strategie.“ Solange die Lücke, die Mitsubishi in die konzernweite Plattformstrategie reiße, nicht geschlossen werde, sei auch Chrysler auf lange Sicht nicht gerettet. „Wenn Schrempp keinen neuen Partner in Asien findet, kopiert Daimler die BMW-Story.“ BMW hatte sich von seiner Beteiligung am maroden britischen Autobauer Rover getrennt, nachdem die Sanierung gescheitert war.

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