Wirtschaft : Schrempp im Alleingang nach Asien

Nach dem Rückzug bei Mitsubishi keine neue Partnerschaft angestrebt/Smart reduziert Modellpläne

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Genf Daimler-Chrysler gibt seiner Asienstrategie eine neue Richtung. Knapp ein Jahr nach dem Rückzug vom japanischen Partner Mitsubishi Motors und dem Ausstieg beim koreanischen Hersteller Hyundai erteilt der Autobauer erstmals neuen Kooperationen im Fernen Osten eine klare Absage. „Wir suchen nicht nach neuen Partnern in Asien“, sagte Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp im Gespräch mit dem Handelsblatt und dem Wall Street Journal. Daimler-Chrysler setzt damit künftig in Asien ausschließlich auf das Wachstum der eigenen Marken. Ferner streicht der Konzern die Modellpalette der defizitären Kleinwagentochter Smart zusammen. Die Pläne für den bisher ab 2006 geplanten Geländewagen der Marke sind so gut wie vom Tisch, deutete Mercedes-Chef Eckhard Cordes in Genf an.

Der Daimler-Chrysler-Chef sagte im Interview, dass ein Managementteam derzeit alle Arbeitsebenen bei Smart durchleuchte und prüfe, wie sich die Erlöse steigern ließen. „Smart hat ein Volumenproblem und daraus resultierend ein Gewinnproblem“, räumte Schrempp ein. Zum Alleingang in Asien gibt es nach Einschätzung von Experten keine Alternative. Toyota und Honda hätten kein Interesse und die übrigen großen Autobauer befänden sich bereits in Allianzen.

Im Frühjahr 2004 waren Schrempps Träume geplatzt, gemeinsam mit Mitsubishi den asiatischen Pkw-Markt aufzurollen. Wenige Wochen später trennte sich Daimler-Chrysler auch von seiner Beteiligung am koreanischen Hyundai-Konzern. Die Partner hatten sich zerstritten. Nirgendwo sonst in der Welt wächst aber die Nachfrage nach Fahrzeugen so schnell wie im Fernen Osten. Doch Daimler zählt dort bislang mit Pkw nur zu den Nischenanbietern. Schrempps Ziel, den Umsatzanteil des Asien-Geschäfts von sieben bis acht Prozent im Jahr 2004 mittelfristig auf 25 Prozent zu erhöhen, rückt damit in die Ferne. Derzeit erreicht nach Expertenberechnungen nur die Nutzfahrzeugsparte mit dem zu 85 Prozent von Daimler kontrollierten japanischen Lkw-Hersteller Fuso dieses Ziel.

Neben Japan ist für den Stuttgarter Konzern das Reich der Mitte inzwischen in den Mittelpunkt der Asienstrategie gerückt. Der Autokonzern investiert in China mehr als eine Milliarde Euro in die Produktion von Jeeps, Personenwagen und Nutzfahrzeugen. „China wird in zehn bis 15 Jahren ein genau so großer Markt wie Europa oder die USA sein“, betonte Schrempp. Doch auch der Daimler-Chrysler-Chef stellt sich auf einen härteren Wettbewerb und sinkende Margen in China ein.

Trotz der aktuellen Krise der wichtigsten Sparte Mercedes Car Group sieht Schrempp den Konzern unbeirrbar auf Kurs. „Wir sind auf einem guten Wege, einer der erfolgreichsten Autokonzerne zu werden“, sagte Schrempp. „Das Ziel, profitabelster Autobauer der Welt zu werden – gemessen an der internen Messgröße Rona, dem Return on Net Assets – besteht für uns weiter.“

Doch noch ist Daimler weit davon entfernt. Alarmiert registrierten die Experten, dass Qualitätsprobleme und rote Zahlen der Tochter Smart den Gewinn der Mercedes-Gruppe im vierten Quartal 2004 um 97 Prozent einbrechen ließen. Schrempp will Mercedes aber wieder zur Nummer eins in Sachen Qualität machen. „Wir verbessern auch die Qualität der Fahrzeuge, die bereits auf der Straße sind, und bei den Neufahrzeugen liefern wir bereits Top-Qualität“, sagte der Daimler-Chrysler-Vorstandsvorsitzende. hz/mab/HB

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