Wirtschaft : Schrempp kritisiert Lafontaine

14.12.1998 00:00 Uhr

WASHINGTON .Jürgen Schrempp, Vorstandschef von DaimlerChrysler, hat die Vorstellungen von Finanzminister Oskar Lafontaine zur stärkeren Regulierung der internationalen Wirtschaft scharf angegriffen, ohne Lafontaine beim Namen zu nennen."Wir müssen uns dem populistischen Druck widersetzen, Kapitalkontrollen und fixe Wechselkurse einzuführen", sagte Schrempp letzte Woche in Washington bei der Entgegennahme des "Global Leadership Award", den ihm das "Amerikanische Institut für zeitgeschichtliche Deutschlandforschung" (AICGS) verlieh.In seiner Dankesrede wehrte sich Schrempp energisch dagegen, daß "die Globalisierung zum Sündenbock für die derzeitige Krise" gemacht wird.

"Bitte, bitte, bitte - das Gegenteil ist wahr!", sagte Schrempp.

Schrempp forderte die Politik auf, Schritte hin zu einer transatlantischen Freihandelszone zwischen den USA und der EU zu wagen.Nachdrücklich verteidigte der Architekt der Fusion von Daimler Benz und Chrysler die soziale Komponente der internationalen Wirtschaft: "Eine globale Geschäftswelt und offene Grenzen sind das Fundament für Frieden."

Bei dem Galadiner des AICGS, einer in Washington beheimateten Forschungseinrichtung unter dem Dach der Johns Hopkins University, verteidigte Schrempp zugleich die Fusion der beiden Auto-Giganten."Sind General Motors und Ford etwa amerikanischer als wir?", fragte Schrempp in Anspielung auf nationalistische und kartellrechtliche Kritiker in den USA.DaimlerChrysler habe einen US-Anteil am Absatz, der über jenem der beiden Rivalen liege.Die "Ehe zwischen Cowboy und Preußin" sei der "rationalste Deal der Automobilgeschichte".DaimlerChrysler verstehe sich "zuallererst als international" und werde seiner Rolle als verantwortungsvoller "körperschaftlicher Bürger" gerecht werden.Frühere Träger des "Global Leadership Award" sind Ex-Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl und Telekom-Chef Ron Sommer.ROBERT VON RIMSCHA

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