Wirtschaft : Schrempp-Vertrauter Rüdiger Grube macht sich selbstständig

jhw

Der Aktienkurs fällt und fällt. Gerade ist er auf dem Tiefststand der vergangenen zwölf Monate angelangt. Aber es sieht nicht aus, als würden sich die Aussichten des Unternehmens aufhellen: Denn DaimlerChrysler erlebt einen ungeahnten Exodus seiner wichtigsten Manager.

Die Nachricht am Montag fiel kaum auf. Trotzdem wird sie die Zukunft des deutsch-amerikanischen Automobil-Giganten verdüstern. Es handelte sich um eine lapidare Mitteilung der Stuttgarter Häussler-Gruppe, nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland als Komplettanbieter von der Büroplanung bis zum Baumanagement von Bürogebäuden. Da hieß es, die Gruppe werde am 1. Januar kommenden Jahres in der neuen Rudi Häussler AG zusammengefasst. Gleichzeitig werde Rüdiger Grube geschäftsführender Gesellschafter und Co-Vorstandsvorsitzender der neuen AG.

Der Name im zweiten Satz erstaunt: Denn Rüdiger Grube ist nicht irgendein Manager. Der 48-Jährige gilt vielen Insidern als der Kopf hinter der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler. Er ist einer der engsten Vertrauten von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp. Beide kennen sich seit Jahren, beide kommen von der Daimler-Tochter Dasa. Er gehörte zum kleinen federführenden Team, das den Zusammenschluss der Konzerne zu DaimlerChrysler organisierte. Zuletzt war er Leiter der Konzernstrategie.

Beobachter lobten Grube in höchsten Tönen. "Integrationsmanager Rüdiger Grube und sein Team machen einen fantastischen Job", sagte Herbert Henzler, der Europa-Chef der internationalen Unternehmensberatung McKinsey & Company, die mit DaimlerChrysler zusammenarbeitet. Als Beobachter der Fusion, so Henzler jüngst zum Tagesspiegel, habe er "den allerhöchsten Respekt davor, wie die Partner diese Transaktion vorbereiten und wie das Management sie jetzt umsetzt".

Dieser Strategie droht mit dem plötzlichen Abgang Grubes das Ende. Zumal sein Gegenüber auf amerikanischer Seite ebenfalls aussteigt: Auch Chrysler-Manager Thomas T. Stallkamp, der Leiter des Integrationsausschusses, verlässt den Konzern, wie DaimlerChrysler bereits am Freitag bekannt gab. Stallkamp wolle "neue Chancen entdecken", heißt es. Die sah er bei DaimlerChrysler offenbar nicht mehr.

Dabei galten Stallkamp und Grube als Aspiranten auf Beförderungen. Stallkamp, der schon im Vorstand saß, hätte dem Vernehmen nach weiter aufsteigen sollen. Grube hatte demnach einen Vorstandsposten im Visier. Doch jetzt bereitet sich Grube darauf vor, dem Stuttgarter Immobilien-Unternehmer Häussler nachzufolgen. Häussler wird in diesem Jahr 71 Jahre alt. Ziemlich nüchtern konstatierte DaimlerChrysler-Boss Schrempp: "Mit Grube verlieren wir zwar einen Topmanager, aber ich weiß, wie es ist, ein eigenes Unternehmen führen zu wollen."

Offiziell teilte DaimlerChrysler mit, Rüdiger Grube habe "mit dieser Glanzleistung eine neue Messlatte für erfolgreiches Management von Integrationsprozessen gelegt". Jetzt sei seine Aufgabe abgeschlossen - nach nur 16 Monaten, wie das Unternehmen verkündete. Beobachter zweifeln. Derweil wird wieder ein Mann von der Dasa Nachfolger von Grube als Leiter der Unternehmensstrategie - Aloysius Rauen, derzeit zuständig für den Bereich Militärflugzeuge.

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