Wirtschaft : Schrempps Auswahl zeigt Schwächen

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Von Dieter Fockenbrock

Im Grunde genommen ist es ja nur eine Kleinigkeit: Was sind schon 61 Seiten gemessen an einer halben Million Seiten in den Prozessakten? Das lässt sich kaum noch in Prozenten ausdrücken. Und doch könnten diese verbummelten 61 Seiten dem deutschamerikanischen Automobilkonzern Daimler- Chrysler schwer auf die Füße fallen. Vor allem Firmenchef Jürgen Schrempp, der sich gerade erst viele Stunden tapfer im Zeugenstand des US-Gerichts geschlagen hatte. Obwohl der Vorwurf des amerikanischen Investors Kirk Kerkorian nicht von Pappe ist; Schrempp soll von Anfang an keine Fusion unter Gleichen mit Chrysler, sondern eine Übernahme geplant haben.

Das Gericht muss nun klären, wie es wirklich war und ob dem Kläger dann ein angemessener Aufpreis zusteht. Am Mittwoch sollte die Beweiserhebung abgeschlossen werden. Wenn am Ende der Verhandlungen aber plötzlich wichtige Notizen eines Insiders aus den Fusionstagen auftauchen, die in den – immerhin in zwei Jahren akribisch zusammengetragenen – Akten fehlen, dann ist das schon mehr als peinlich. Ein „unbeabsichtigter Flüchtigkeitsfehler“, sagen die Anwälte Schrempps. Prozesstechnisch betrachtet ist das wohl eher der Super-Gau. Denn nicht nur der juristische Gegner, auch das Gericht könnte sich getäuscht sehen. Und das hätte fatale Folgen für den Ausgang des Verfahrens. Immerhin geht es um eine Milliarden-Forderung. Häme ist deshalb nicht angebracht. Eher die Frage, wie dieser Fauxpas den überaus gut bezahlten Rechtsvertretern von Daimler-Chrysler passieren konnte – und welche Konsequenzen er hat. Schrempps Auswahl war wohl doch nicht die erste Wahl.

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