Wirtschaft : Schrempps Lydia will bleiben

Doch andere enge Mitarbeiter des scheidenden Chefs denken ans Abspringen

Corinna Visser

Berlin – Jürgen Schrempp geht. Seine Frau Lydia bleibt. Sie will weiter bei Daimler-Chrysler arbeiten, auch wenn ihr Mann nicht mehr Vorstandschef ist.

Eine ganze Reihe von Managern werden Schrempp jedoch folgen und den Konzern verlassen. Die Tage des Systems Schrempp, des Netzwerkes aus engen Vertrauten des scheidenden Vorstandschefs, sind gezählt. Sein designierter Nachfolger Dieter Zetsche selbst gehörte übrigens nicht zum System Schrempp. „Zetsche ist ein Pragmatiker“, sagt der Strategieberater und Branchenkenner Karlheinz Knöss. „Er wird keinen rauswerfen, nur weil er ein Schrempp-Mann ist.“

Etwa 250 von insgesamt rund 6000 Managern aus den oberen sechs Führungsebenen stehen mehr oder weniger auf dem Prüfstand, schätzt Knöss. Im Mittelpunkt des Interesses jedoch steht die Frage: Wer wird Nachfolger von Mercedes-Chef Eckhard Cordes? Cordes hatte nach der Berufung Zetsches nicht nur seinen Rücktritt angeboten, er hatte zudem gleich einen Tag nach der Bekanntgabe von Schrempps Rücktritt in großem Umfang seine Aktienoptionen zu Geld gemacht. „Der Mann hat mit Daimler abgeschlossen“, sagte ein Analyst.

Inzwischen sind viele Manager dem Beispiel Cordes’ gefolgt und haben ihre Aktienoptionen mit Gewinn in bare Münze verwandelt. Auf der Internetseite von Daimler-Chrysler kann man unter dem Stichwort „Director’s Dealings“ nachlesen, wer seit Ende Juli Optionen ausgeübt und anschließend Aktien verkauft hat. Zuletzt Hans-Heinrich Weingarten, Produktionsvorstand der Mercedes Car Group, und Paul S. Halata, Chef von Mercedes-Benz USA. „Aktienoptionen sind ein Bestandteil des Gehalts dieser Manager“, sagt Knöss. „Es ist legal und legitim, sie zu Geld zu machen.“ Dennoch kommt das Signal nicht nur in der Öffentlichlichkeit so an, als ob die Manager Vorsorge für ihre Zukunft außerhalb des Konzerns treffen und in der kommenden Zeit erst einmal keine weitere Kurssteigerung erwarten.

Obwohl Cordes’ Weggang bei vielen Beobachtern als sicher gilt, ein eindeutiger Nachfolger ist nicht in Sicht. Knöss hält es sogar für möglich, dass „Mister Mercedes“ Jürgen Hubbert aus dem Ruhestand zurückgeholt werden könnte.

Zum System Schrempp rechnen Beobachter unter anderen Finanzvorstand Bodo Uebber, den der scheidende Vorstand Schrempp von der Dasa nach Stuttgart holte, Personalvorstand Günther Fleig, der von Daimler-Chrysler France kam, und Andreas Renschler, der nach seinem Misserfolg bei Smart nun im Vorstand die Nutzfahrzeuge verantwortet. Auch Strategievorstand Rüdiger Grube, der dem Konzern eine Weile den Rücken gekehrt hatte, arbeitet inzwischen seit mehr als 20 Jahren mit Schrempp zusammen. Spekuliert wird, dass Zetsche dieses Ressort selbst übernehmen wird.

Zetsche, der für den Konzern die kriselnde US-Sparte Chrysler wieder zum Erfolg geführt hat, gilt als knallharter Sanierer. „Er wird sich bei seinen Entscheidungen an der Sache orientieren und nicht an persönlichen Sympathien“, sagt Knöss. Einige Schrempp-Vertraute, darunter Kommunikationschef Hartmut Schick, soll Zetsche bereits gebeten haben, im Konzern zu bleiben.

Lydia Schrempp jedenfalls will offenbar im Konzern bleiben. Immerhin hat sie einen unbefristeten Vertrag. Dass sie aber Büroleiterin des Vorstandsvorsitzenden bleibt, erwartet niemand. Daimler-Chrysler wird eine neue Aufgabe für sie finden müssen.

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