Wirtschaft : Schrippen

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PREIS DER WOCHE

Von Dagmar Rosenfeld

Ende der Fünfzigerjahre gab es in Berlin zwischen der Bäckerinnung und dem Senat ein Abkommen über die "Sechs-Pfennig-Schrippe": Der Berliner Senat stimmte einer Preiserhöhung für Backwaren zu, im Gegenzug garantierten die Bäcker, weiterhin Schrippen für nur sechs Pfennige das Stück zu verkaufen. Als einige Bäckereien entgegen dieser Vereinbarung den Brötchen-Preis auf sieben Pfennige erhöhten, hetzten wütende Berliner das Preisamt auf die Schrippen-Sünder.

Das ist lange her. Heute kostet eine Schrippe zwischen 20 und 25 Cent, eine Kaisersemmel 30 Cent und ein Körnerbrötchen bis zu 60 Cent. Unaufhaltsam ist der Brötchenpreis in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Im Juni 2002 mussten die Verbraucher im Schnitt 6,5 Prozent mehr für ein Brötchen zahlen als im Vorjahresmonat. Nur wer seine Brötchen selbst in den Ofen schiebt, zahlt weniger. Denn ein Sechserpack Aufbackbrötchen gibt es schon ab 34 Cent in jedem Supermarkt zu kaufen. Aber warum sind die Brötchen beim Bäcker so teuer?

Volker Brusiar vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks macht die gestiegenen Personal- und Betriebskosten für den Preisanstieg verantwortlich. „Vor allem durch die neue 325 Euro-Regelung werden unsere Mitgliedsbetriebe belastet", sagt er. Hinzu komme die Erhöhung der Versicherungssteuer und die zweite Stufe der Ökosteuer zu Jahresbeginn. Und außerdem sei Handwerksarbeit teurer als die industriell hergestellte Massenware.

Die Rohstoffkosten spielen bei den Brötchenpreisen dagegen keine Rolle. Der Mehlpreis ist konstant günstig, weil es hier Überkapazitäten gibt. Und was die Zutaten und damit die Qualität angeht, unterscheiden sich Aufback- und Bäckerbrötchen offenbar auch nicht. „In der Rezeptur gibt es keine gravierenden Differenzen", sagt Jürgen-Michael Brümmer von der Bundesanstalt für Getreide-, Kartoffel- und Fettforschung in Detmold. Der Anteil an Mehl, Fett, Zucker und Backhefe sei nahezu identisch. Es bleibt also reine Geschmackssache, ob die Frühstücksbutter auf einem handwerklich oder industriell gefertigten Brötchen landet.

(Foto: Kai-Uwe Heinrich)

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