Wirtschaft : Schröder besorgt über starken Euro

Bundeskanzler fordert EZB indirekt zum Gegensteuern auf

-

Frankfurt (Main) (Tsp). Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich besorgt über die derzeitige Stärke des Euro geäußert. Die dadurch ausgelöste Verteuerung deutscher und europäischer Produkte auf dem Weltmarkt bremse das Wirtschaftswachstum in der Eurozone, sagte Schröder der „Financial Times Deutschland“. Indirekt forderte Schröder die Europäische Zentralbank (EZB) zum Gegensteuern auf: „Ich gehe davon aus, dass die klugen Köpfe in der Europäischen Zentralbank jeden Tag diskutieren, ob sie im Rahmen des EuroDollar-Wechselkurses genug tun, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exporte zu erhalten.“

Der Kurs der Europäischen Gemeinschaftswährung ist in den letzten Monate stark angestiegen und überschritt Mitte Juni erstmals die historische Höchstmarke von 1,19 Dollar. In den vergangenen Wochen sank der Euro aber wieder. Am Devisenmarkt wurden Schöders Äußerungen als Aufforderung an die EZB gewertet, gegen den starken Euro zu intervenieren. Der Euro gab zeitweise um rund einen halben Cent nach. Die EZB setzte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1315 Dollar fest. Am Donnerstag hatte der Kurs bei 1,1342 Dollar gelegen.

Exportfirmen in Deutschland und anderen europäischen Ländern litten unter dem starken Euro, sagte Schröder weiter. Das bremse das Wirtschaftswachstum. Die EZB hat dem Bericht zufolge seit zwei Jahren nicht mehr auf den Devisenmärkten interveniert.

Die EZB in Frankfurt (Main) lehnte jede Stellungnahme zu den Äußerungen Schröders ab. EZB-Chefökonom Ottmar Issing erklärte jedoch, dass die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen in der Eurozone nicht allein vom Wechselkurs abhänge. Regierungssprecher Bela Anda erklärte in Berlin, Schröder habe nur eine allgemeine Äußerung gemacht und die EZB damit nicht zu einer Intervention gegen den Euro aufgefordert.

Würde die Europäische Zentralbank intervenieren, müsste sie den Euro massiv zu Gunsten des Dollar verkaufen. Oft bewirken Interventionen jedoch nur kurzlebige, heftige Kursausschläge, bei denen ungünstig positionierte Anleger viel Geld verlieren können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben