Wirtschaft : Schröder bezeichnet die Investition als Signal für die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes

Die Adam Opel AG hat mit dem Bau einer der modernsten Autofabriken der Welt den Startschuss für eine Offensive auf den internationalen Märkten gegeben. Bundeskanzler Gerhard Schröder legte am Dienstag in Rüsselsheim den Grundstein für ein komplett neues Opel-Werk, das bis 2005 am Stammsitz des Unternehmens errichtet werden soll.

Schröder bezeichnete die Investition von mehr als 800 Millionen Mark als "wichtiges wirtschaftspolitisches Signal für die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland". Das Werk mit modernsten Fertigungsmethoden, das 2002 einen Teil der Produktion aufnehmen soll, wird nach Angaben des Unternehmens rund 6000 der bisher 10 000 Arbeitsplätze sichern. Jährlich sollen 270 000 Fahrzeuge produziert werden. Damit wird die Produktivität gegenüber dem alten Werk um mehr als 30 Prozent gesteigert.

Opel-Chef Robert Hendry erklärte, das neue Werk werde eine der weltweit modernsten Autofabriken. Opel erwarte sich von der Investition auf dem 101 Jahre alten Produktionsstandort in Rüsselsheim eine "deutliche Verbesserung" seiner Position im internationalen Wettbewerb.

Das nach dem Vorbild des Werks in Eisenach entwickelte Produktionssystem werde die Struktur industrieller Arbeit verändern und "höchstmögliche Fertigungsflexibilität" bieten. Die Autos sollen im Drei-Schicht-Betrieb auf einer gemeinsamen Fertigungslinie montiert werden. Parallel mit dem Aufbau laufe die Fertigung in den bestehenden Hallen weiter. Opel ist nach Worten Hendrys der weltweit erste Automobilhersteller, der neue Anlagen in unmittelbarer Nachbarschaft der laufenden Produktion errichtet. Opel-Chef Hendry räumte ebenfalls ein, es wäre ein schwerer Fehler gewesen, "dem Rüsselsheimer Gründungsstandort den Rücken zu kehren". Die Entscheidung, die erst nach langem Ringen gefallen sei, sei ein Bekenntnis zum "German Engineering" und für die Standortvorteile gewesen. Zwar gebe es Stellenabbau, dieser sei jedoch gemeinsam mit Betriebsrat sozialverträglich gestaltet worden. Insgesamt seien für Deutschland bis zum Jahr 2004 neun Milliarden Mark Investitionen vorgesehen.

Schröder betonte, bei aller Aufmerksamkeit für moderne Technologien, dürfe man die traditionellen Industrien nicht vergessen. Sie trügen massiv zur Stärkung der Wirtschaft bei. Er unterstrich, dass jeder siebte deutsche Arbeitsplatz von der Autoindustrie abhänge. Das geplante Werk trage dazu bei, das "hohe Niveau der deutschen Automobilindustrie" zu erhalten. Nach einem beispielhaften Aufholprozess in den vergangenen Jahren sei diese "wieder Spitze".

Der Vorsitzende des Konzern-Betriebsrates, Rudi Müller, sagte während der Feier zur Grundsteinlegung, es sei harte Überzeugungsarbeit notwendig gewesen, den Standort Rüsselsheim für das neue Werk durchzusetzen. Innerhalb des Mutterhauses General Motors (GM) gebe es zahlreiche Kräfte, die der Meinung seien, Autos könne man an jedem beliebigen Ort der Welt billiger bauen. Unterdessen versuchen die Arbeitnehmervertreter in Verhandlungen mit dem Vorstand, den drohenden Arbeitsplatzverlust im Stammwerk so gering wie möglich zu halten. "Es dürfte aber schwer werden, alle 4 000 wegfallenden Arbeitsplätze in der Produktion an anderer Stelle aufzufangen", sagte Müller.

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