Wirtschaft : Schröder hält an VW fest

Niedersachsens Einfluß bleibt durch "VW-Gesetz" unantastbar

WOLFSBURG (dpa).Die Volkswagen AG hat ihren Absatz in den ersten fünf Monaten dieses Jahres weiter gesteigert, obwohl der Verkauf der Marke VW im Heimatmarkt Deutschland um 10,8 Prozent zurückging.Weltweit habe Europas größter Autokonzern die Auslieferungen in Jahresfrist um 9,2 Prozent auf 1,8 Mill.Fahrzeuge gesteigert, sagte der Vorstandschef Ferdinand Piech am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Vor mehreren tausend Beschäftigten kündigte Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder an, daß das Land seinen 20prozentigen Anteil an VW auf Dauer behalten werde.Die Landesregierung werde jede Änderung des sogenannten VW-Gesetzes vehement bekämpfen.Auch der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates, Klaus Volkert, forderte die Bonner Koalition auf, ihre Absicht zur Änderung des VW-Gesetzes fallen zu lassen.Zur Sicherung der Arbeitsplätze in Niedersachsen müsse der mit dem Gesetz garantierte Einfluß des Landes gewahrt bleiben.Dies schütze VW auch vor einer feindliche Übernahme durch ein anderes Unternehmen.Nach dem 1960 geschaffenen VW-Gesetz kann kein Aktionär in den Hauptversammlungen über mehr als 20 Prozent aller möglichen Stimmen verfügen - auch wenn sein Kapitalanteil diesen Wert übersteigen sollte.Darüber hinaus gibt das Gesetz ein aufwendiges Verfahren für die Übertragung von Stimmrechten vor, so daß viele Aktionäre auf den Hauptversammlungen gar nicht vertreten sind.Deshalb hat das Land mit seinem 20-Prozent-Anteil häufig eine faktische Stimmenmehrheit. Wie Piech berichtete, lieferte die Marke VW ­ ohne Audi, Seat und Skoda ­ bis Ende Mai 1,144 Mill.Autos aus.Das sind 6,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.In Westeuropa kletterte der Konzernabsatz um 2,4 Prozent auf 1,062 Mill.Stück.Die Marke VW verzeichnete dagegen hier ein Minus von 4,4 Prozent auf 595 000 Wagen, und ihr Marktanteil verringerte sich von 11,3 auf 10,8 Prozent.Dafür Ausschlaggebend war der Einbruch in Deutschland.Neben einer schwierigen Wirtschaftslage führte Piech dies auf Lieferschwierigkeiten beim neuen "Passat" und eine rückläufige Nachfrage nach dem "Golf" zurück, der noch im laufenden Jahr durch ein neues Modell ersetzt werden soll.1996 fertigte VW vornehmlich in Wolfsburg 700 000 "Golf".Das Auto hat damit einen Anteil von 18 Prozent am Produktionsvolumen von VW.

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